Sonntag, 30. November 2014

Die Reise des Kriegers Said - Episode 1: Der Aufbruch



Im Morgengrauen verließ er die Stadt. Gegen den nachtgrauen Himmel zeichneten sich ihre Umrisse erst undeutlich ab. In der Mitte der große Turm, ringsum mit Häusern umstanden – es war eine Stadt, in der die Häuser eng beieinander standen und die Gassen schmal waren, an Markttagen kam man kaum vorwärts. Die Menschen drängten sich aneinander vorbei, zahlreiche Händler mit ihren Ständen säumten die Straßen bis zum Marktplatz, von wo aus die Stimmen der Marktschreier schon von Weitem tönten: „Wunderbares Geschmeide für die junge Maid“, „Alantwurzel, ein Heilmittel gegen fast alles, das muss die Frau von heute im Haus haben“, versuchten sie ihr überwiegend weibliches Publikum zum Kauf zu verleiten.
Wenn Said an Markttagen in den engen Gassen unterwegs gewesen war, hatte er kaum Augen für die Frauen und die Wunderdinge der Händler gehabt, seine Aufgabe war es gewesen, auf die Sicherheit seines Herrn zu achten.
Aber diese Zeit war nun vorbei. Während Said, der sich auf einen Stock stützte, vor sich hin sann, entfernte er sich immer weiter von der Stadt, die langsam immer besser zu erkennen war. Sie lag auf einem Hügel, und von ihrer erhöhten Position aus konnte man die Umgebung gut überblicken: Weite Wiesen, saftiges Grün, reich tragende Bäume.
Während Said den gewundenen Weg hinab schritt, wanderten seine Gedanken wieder zurück in die Vergangenheit: Was war das für ein Leben gewesen! Sichere Unterkunft und köstliches Essen im Palast, das höfische Zeremoniell und die Rituale des Tagesablaufs – ja, sie waren steif gewesen, aber auch würdevoll, und sie hatten dem Tag eine ganz eigene Struktur und Ordnung gegeben.
Das würde ihm fehlen, ganz sicher. Dennoch konnte er nicht bleiben. Es hatte ihn zwar keiner verjagt, aber dennoch sah er sich gezwungen zu gehen. An diesem Ort, an dem er jahrelang seinen festen Platz gehabt hatte, fühlte er sich jetzt völlig fehl platziert. Er hatte keine Aufgabe mehr, war als Krüppel mit ruhmreicher Vergangenheit wohl geduldet – aber das wollte er nicht.
Als er wieder einigermaßen laufen konnte, schnürte er sein Bündel und kehrte der Stadt den Rücken – einerseits froh darüber, andererseits traurig. Froh, weil er so diesen unseligen Zustand des Nichtstuns beenden konnte, und traurig, weil er so Vieles zurückließ. Aber er musste das einfach tun. Gedankenverloren stützte er sich auf seinen Stab. Ja, frei war er jetzt, das war richtig. Aber wohin sollte er jetzt? Wo würde ihn seine Reise wohl hinführen?

Langsam ging er weiter, ganz in seine Gedanken versunken.
Vor seinem inneren Auge zogen Bilder von Gegenden herauf, die er im Laufe seines Lebens gesehen hatte: Die Wüste Arabiens mit ihren heißen, trockenen Weiten und fruchtbaren Oasen, die turbulenten Küstenstädte, das wilde Meer, das ungewöhnlich andere Land Europas mit seinen Bergen, Flüssen, Seen und weitem, grünem Land. Er hatte in seinem jungen Leben wahrhaftig schon viel gesehen und noch mehr erlebt.
Vor lauter Versunkenheit nahm er gar nicht wahr, wohin er lief, erst als er strauchelte hob er seinen Blick. Himmel, wo war er hier nur gelandet? Sein Umhang verfing sich im Gestrüpp, seine Füße stolperten über grobe Steine, und bald konnte er die Hand kaum noch vor Augen sehen. Als er wieder stolperte und hinfiel blieb er einfach liegen, ein Weg war in dieser Dunkelheit sowieso nicht mehr zu finden. Er schaute nach oben, aber er konnte noch nicht einmal Sterne erkennen, nur düsteres Grau über den dunklen Ästen. „Na, das passt ja wenigstens zu meiner Stimmung“, sagte er, bevor er in der Düsternis einschlief.

The Journey of the Warrior Said - Episode 1: The Departure



At the crack of dawn he left the town. Against the night grey sky its silhouettes were slightly outlined. In the middle the big tower, on all sides stood around with houses – it was a town where the houses stood at close quarters and the alleys were narrow, at market days you barely forged ahead. The people pushed each other, numerous traders with their stalls lined the streets up to the market place from where the voices of the barkers chimed from afar: ”Marvellous jewellery for the young maiden”, “Elfwort root, a remedy for almost everything, the new woman has to have a supply of it”, so they induced their mainly female public to buy.
When Said at market days was on his way through the narrow alleys he had scarcely had eyes for the women and the prodigies of the traders, it has been his assignment to care for the safety of his lord.
But that time has gone now. While Said, who leaned on a stick, chewed over it, he went away on and on of the town that was slowly better and better to perceive. It lay on a hill, and from its high position the environment was good to oversee: Wide meadows, lush Green, rich bearing trees.
While Said stepped down the meandering way, his thoughts wandered back to the past: What kind of a life it has been! Safe shelter and delicious food in the palace, the courtly ceremoniousness and the rituals of the daily routine – yes, they have been starchy, but with dignity, too, and they have given a completely peculiar structure and order to the day.
That would surely be lacking to him. However he couldn’t stay. Indeed nobody drummed him of, but nevertheless he saw himself forced to leave. At this site, where he had for years his firm place, he felt now completely incongruous. He had no task anymore, was indeed tolerated as a cripple with a splendid past – but he didn’t want that at all.
As he could again walk fairly on his own he made his package and turned his back on the town – on the one hand glad over it, on the other hand sad. Glad because he could so end that unfortunate condition of inaction, sad because he left so much. But he simply had to do that. Absentmindedly he leaned on his stick. Yes, now he was free, that was right. But where he should go now? Where his journey would lead him?

Slowly he went on, completely absorbed in his thoughts.
In front of his inner eye images of regions draw near that he has seen in the course of his lifetime: The desert of Arabia with its heat dry width and fertile oases, the tumultuous coastal towns, that unusual other land of Europe with its mountains, rivers, lakes and wide green land. In his young life he really had seen a lot and experienced so much more.
Because of his absorption he didn’t realise where he was going, only as he tripped he raised his eyes. Heaven, where has he landed here? His cloak became entangled in the undergrowth, his feet stumbled over raw stones, and soon he couldn’t see his hand in front of his face. As he stumbled again and tumbled he barely stayed lying down, in this darkness a way was anyhow no longer to find. He looked upwards, but he couldn’t even spot a star, only gloomy Grey over the dark branches. “Well, that fits at least into my mood”, he said before he fell asleep in the gloom.


Mittwoch, 26. November 2014

Diesem einen will ich folgen



Irgendwann kommt die Situation, in der wir uns entscheiden – müssen?

Große Entscheidungen können geplant sein: Wir stehen vor einer Wegkreuzung, und es gibt zwei Wege: einen nach rechts und einen nach links. Wir können hin und her schwanken, wir können uns vor der Entscheidung drücken und sie eine Weile vor uns her schieben, aber irgendwann entscheiden wir uns zumeist doch, für den einen Weg oder den anderen.

Dann gibt es die ungeplanten Entscheidungen: Wir befinden uns in einer Situation, aus der heraus wir uns für einen bestimmten Weg entscheiden.
So geht es Balin im „Hobbit“:

Diesem einen will ich folgen.
Diesen einen kann ich König nennen.

So erzählt er von der Schlacht von Moria, in der der Zwergenprinz Thorin im Kampf gegen den weißen Ork Azog einen Eichenast ergriff und sich mit ihm als Schild verteidigte, Azog schwer verletzte und so das Ende der Schlacht herbeiführte. Der anschließende Weg führte nicht in den Triumph, sondern ins Exil – trotzdem folgt Balin Thorin und weicht von seiner Treue nicht ab. Balin hat damit eine Lebensentscheidung getroffen, so wie viele Menschen in der Antike oder noch vor nicht allzu langer Zeit auch in den asiatischen Kampfkünsten sie getroffen haben: Für ein Leben lang – oder zumindest für eine lange Zeit – dem Weg eines bestimmten Meisters zu folgen, sei es ein Meister der Kriegskünste oder ein Meister der religiösen bzw. philosophischen Wege. Das bedeutet sich zunächst voll und ganz auf einen bestimmten Weg bzw. dessen Interpretation durch den Meister einzulassen. Zuerst kommt das Erleben einer ganz bestimmten Tradition in einer ganz bestimmten Ausprägung – später, wenn man viel von der Tradition verstanden hat, auf dem Weg zum eigenen Meister werden ein gutes Stück vorangeschritten ist, die eigene Interpretation. Dabei geht es nicht darum den Meister zu kopieren, sondern es geht darum den eigenen Meister in sich zu finden, die eigenen Art zu finden die Tradition zu leben, in deren Linie man steht. Das Ziel dieser Art der Ausbildung bzw. der Jüngerschaft ist, dass nicht tote Zeichen und Rituale, nicht Asche weitergegeben wird, sondern lebendige Tradition, Glut, die wiederum andere Feuer entzünden kann.

Damit stellt sich auch für uns die Frage:
Wen betrachten wir als den einen, der es wert ist, dass wir ihm folgen?
Wessen Weg folgen wir?
Und was von diesem Weg ist für uns die wertvolle Glut, die wir entfachen, füttern, weitergeben wollen?

There is one who I could follow



Some day there comes the situation when we decide – do we have to?

Big decisions can be planned: We stand at a road junction and there are two ways: one rightwards and one leftwards. We can sway to and fro, we can duck to make the decision and kick it down the road for a time, but some day we mostly make up our mind, for the one way or the other one.

Then there are the unplanned decisions: We are located in a situation out of which we make up our mind for a certain way.
So it is for Balin in the “Hobbit”:

There is one who I could follow.
There is one I could call king.

So he tells about the battle of Moria, in which the dwarf prince Thorin in combat against the white ork Azog took an oaken branch and fought back with it as a shield, injured Azog badly and caused so the end of the battle. The following way doesn’t lead into triumph, but into exile – nevertheless Balin follows Thorin and doesn’t depart from his loyalty. With that Balin took a decision for life, like a lot of people did it during the ancient times or not so long ago in the Asian martial arts, too: To follow for a lifetime – or at least for a long time – the way of a certain master, be it a master of the martial arts or a master of the religious or philosophical ways. That means at first to get oneself thoroughly into a certain way resp. its interpretation through the master. At first there is the undergoing of a certain tradition in a certain manifestation – later, when you understood a lot of the tradition, are a good bit advanced on the way to their own master, the own interpretation. In doing so the point is not to replicate the master, but it is the point to find the own master in oneself, to find the own way of living the tradition in which line one is standing. The target of this kind of education resp. discipleship is not to pass on dead signs and rituals or cinder, but living tradition, blaze that is in turn able to inflame other fires.

This begs even for us the question:
Who do we consider as the one who is it worth that we follow him?
Whose way are we following?
And what of that way is for us the precious blaze that we want to spark off, feed, pass on?

Samstag, 22. November 2014

Dem Leben Bedeutung geben



Welche Tugenden betrachten wir als maßgeblich?
Weisheit, Stärke, Gerechtigkeit, Mäßigung?
Ehrgeiz, Einfallsreichtum, Mut, Ergebenheit?
Oder etwas ganz anderes?
(Commodus im „Gladiator“)

Im Film „Gladiator“ ist der Tod präsent, dies ist eine Geschichte von Männern, die die nächste Schlacht oder die nächste Auseinandersetzung in der Arena teilweise nicht überleben – und sich dieser Tatsache überwiegend durchaus bewusst sind.
Für uns mag der Tod nicht so präsent sein, aber er bleibt Teil des Lebens.
Und unsere Prioritäten, unsere Entscheidungen entscheiden darüber, wie wir in Erinnerung bleiben.

Im Verlauf des Films unterhält sich Proximo mit Maximus über die beste Strategie in der Arena:

Lerne von mir: Ich war nicht der Beste, weil ich schnell getötet habe, ich war der Beste, weil die Menge mich liebte.
Gewinne die Menge, und du bekommst deine Freiheit.

Hier muss sich Maximus entscheiden: Will er seine Gegner einfach nur töten um als Sieger aus der Arena zu treten? Oder will er mehr?

Ich werde die Menge für mich gewinnen.
Ich werde ihnen etwas geben, was sie noch nie gesehen haben.

Seine Entscheidung ist gefallen: Etwas, das sie noch nie gesehen haben, etwas Einzigartiges will er der Menge geben.
Er hat entschieden, dass er etwas geben will bevor er abtritt, und dass das, was er geben will, etwas ganz Besonderes sein soll, etwas, das die Menge noch nicht gesehen hat.
Dabei ist ihm klar, dass jeder Kampf in der Arena sein Leben kosten, seinen Tod bedeuten könnte.
Aber er hat ein Ziel: Er will das Ansehen der Menge gewinnen, um den Kaiser zum Zweikampf herauszufordern und so seine Ehre und die Ehre Roms wieder herzustellen.
Um dieses Ziel zu erreichen bietet er der Menge eine einzigartige Show: Er fasziniert, er bewegt, er löst Emotionen aus – und die Menge trägt ihn, die Menge feiert ihn, die Menge spornt ihn zu Höchstleistungen an, so sehr, dass er den Imperator herausfordern kann und den Kampf trotz unfairer Voraussetzungen gewinnt. Er stellt die Ehre wieder her, stellt Recht und Ordnung wieder her, bevor er in der Arena stirbt und als Held geehrt wird.

Mit seiner Entscheidung wurde Maximus von einem, der alles verloren hatte, zu einem, der alles gewann, was ihm wichtig war. Er blieb was er gewesen war, ein verletzter, gebrochener, gedemütigter Mann, aber durch seine Entscheidung auf eine bestimmte Art und Weise in der Arena zu kämpfen, der Menge in der Arena mit seinen Fähigkeiten etwas noch nie Dagewesenes zu geben, gewann er ein neues Ziel, den Weg dorthin und die Menschen um sich herum. Er war ein Abgestürzter, der seinen Mut wiedergefunden hatte.

Am Ende des Films, als sein Freund Juba die Familienfiguren des Maximus an dem Ort in der Arena vergräbt, an dem dieser starb, sagt er:

Ich werde dich wiedersehen, aber jetzt noch nicht. Noch nicht.

Wir werden unsere verstorbenen Freunde, Helden, Verwandte wiedersehen, aber jetzt noch nicht. Noch nicht.
Jetzt sind wir hier und müssen entscheiden, wie wir unsere Menge gewinnen.

To attribute a meaning to life



Which virtues do we regard as leading ones?
Wisdom, justice, fortitude, temperance?
Ambition, resourcefulness, courage, devotion?
Or something completely different?
 (Commodus in „Gladiator“)


In the movie „Gladiator“, death is present, this is the story of men who partly don’t live through the next battle or fight in the arena – and who are mainly conscious about it.
For us death may be not so present, but it stays a part of life.
And our priorities, our decisions decide about how we stick in memory.

During the course of the movie Proximo talks with Maximus about the best strategy in the arena:

Learn from me. I wasn’t the best because I killed quickly. I was the best because the crowd loved me.
Win the crowd, and you’ll win your freedom.

Here Maximus has to decide: Does he want to simply kill his opponent to leave the arena as victor? Or does he want more?

I will win the crowd.
I will give them something they’ve never seen before.

His decision is made: Something that they haven’t seen before, something unique he wants to give to the crowd.
He has decided to give something before he makes his last exit, and that that what he wants to give should be something special, something what the crowd hasn’t seen before.
In doing so he is clear in his mind that every fight in the arena could cost his life, could mean his dead.
But he has a target: He wants to win the appreciation of the crowd to challenge the emperor a duel to rebuild his honour and the honour of Rome.
To reach that target he presents a unique show to the crowd: He fascinates, he moves, he provokes emotions – and the crowd bears him, the crowd celebrates him, the crowd stimulates him to peak performances, so much that he can challenge the imperator and wins the fight despite of unfair preconditions. He rebuilds the honour, rebuilds law and order before he dies in the arena and is honoured as a hero.

With his decision Maximus turned from one who lost everything to one who won everything what was important to him. He stayed what he has been, a hurt, broken, humbled man, but through his decision to fight in a special way in the arena, to give with his skills something never before seen to the crowd in the arena, he won a new target, the way to it and the people in his surrounding. He was a fallen one who picked up courage.

At the end of the movie, as his friend Juba buries the family figures of Maximus at the place in the arena where he died, he says:

I will see you again. But not yet. Not yet.

We will see again our dead friends, heroes, relatives, but not yet. Not yet.
Now we are here and have to decide how to win our crowd.

Sonntag, 16. November 2014

Das Mädchen ohne Hände – Teil 2



„Soll sie gehen oder bleiben?“ fragten wir am Ende von Teil 1.
Viele von euch waren der Meinung, dass sie an der Stelle des Mädchens gehen würden – und genauso macht sie es auch.

Sie sagt zu ihrem Vater: „Geliebter Vater, ich weiß, dass du mich gerne hast, aber hier kann ich nicht bleiben. Binde mir mein Bündel auf den Rücken und binde mir auch meine Armstümpfe darunter fest, dann lass mich in die Welt ziehen.“ Schweren Herzens willigte der Vater ein und ließ sie von dannen ziehen.
Sie wanderte den ganzen Tag, und als es Abend wurde und sie schon ganz hungrig war kam sie an einen Fluss, der ihr den Weg versperrte. Auf der anderen Seite des Flusses lag ein Garten mit vielen Obstbäumen, und ein Baum hatte es ihr besonders angetan: Er trug lauter Birnen, die im Licht der untergehenden Sonne golden glänzten. „Wie soll ich da bloß hinübergelangen?“ seufzte das Mädchen. In ihrer Not betete sie zu Gott, dass er ihr helfen möge. Da schickte Gott ihr einen Engel, stark, strahlend weiß und schön wie der lichte Tag. Er stellte sich mitten in den Fluss, so dass sich das Wasser hinter ihm staute und sie in den wundervollen Garten hinübergehen konnte. Dort ging sie sogleich zu dem Baum mit den goldenen Birnen, stellte sich unter eine dieser prallen Früchte und aß sie mit dem Mund. Wenn sie ihr entglitt half ihr der Engel und hielt sie fest. Als sie sich genügend gestärkt hatte, stellte sich der Engel wieder in den Fluss, so dass sie zurückkommen konnte. Am anderen Ufer war ein kleines Wäldchen, dort machte er ihr unter einem Busch ein Plätzchen zurecht, wo sie schlafen konnte.
Am anderen Morgen ging der König des Landes, der der Besitzer des Gartens mit den vielen Obstbäumen war, in diesem spazieren und stellte plötzlich fest: „An meinem Baum mit den goldenen Birnen fehlt eine. Gärtner!! Weißt du, wo sie geblieben sind?“ Doch der Gärtner konnte ihm keine Auskunft geben, und der König war sich sicher, dass der Gärtner ihm die fehlende Birne nicht gestohlen hatte. Da beschlossen beide, dass sich der Gärtner in der nächsten Nacht auf die Lauer legen sollte für den Fall, dass sich dieser Vorfall wiederholen würde.
In dieser Nacht lag der Gärtner also auf der Lauer, und es geschah genau das gleiche wie in der Nacht zuvor: Der Engel stellte sich in den Fluss, um dem Mädchen die Überquerung zu ermöglichen. Sie aß eine weitere goldene Birne, wobei ihr der Engel half. Danach gingen beide wieder zurück zu dem Wäldchen auf der anderen Flussseite.
Als der Gärtner dem König am nächsten Morgen von seinen Beobachtungen erzählte, rief dieser aus: „Unglaublich! Das muss ich mit eigenen Augen sehen! Heute Nacht will ich mich mit dir auf die Lauer legen. Aber lass uns den Priester mitnehmen, er weiß am besten, wie man mit Geistern umgeht.“
Als die Nacht nun hereinbrach, hatten sich die Drei auf die Lauer gelegt wie in der Nacht zuvor der Gärtner alleine, und es geschah das Gleiche wie in der vorigen Nacht: Der Engel stellte sich in den Fluss, das Mädchen kam hinüber und aß mit seiner Hilfe eine weitere Birne. Da sprach sie der Priester an: „Sag an, schönes Kind, bist du ein Mensch oder ein Geist?“ – „Ich bin aus Fleisch und Blut, ganz wie ihr, mein Herr“, antwortete sie, während der Engel verschwand. Der König verliebte sich sogleich in das schöne Mädchen und lud sie ein bei ihm zu bleiben, und bald darauf wurde die Hochzeit gefeiert. Aus Liebe zu seiner Frau ließ er ihr von seinem Goldschmied sogar silberne Hände machen, die sie so benutzen konnte als wären es ihre eigenen.
Die beiden waren sehr glücklich miteinander, und das Mädchen, das nun zur Königin geworden war, erwartete das erste Kind, als der König eines Tages in einen Krieg weit fort ziehen musste. Darüber war er sehr traurig und sprach zu seiner Mutter: „Liebe Mutter, leider muss ich fort, es geht nicht anders. Gib mir gut auf meine Frau acht, und schicke mir sogleich Nachricht, wenn das Kind da ist!“ Die Königinmutter willigte ein, und weil sie die Königin von Herzen lieb hatte, ließ sie es ihr während der Abwesenheit des Königs an nichts fehlen.
Als die Königin einen wunderschönen kleinen Prinzen geboren hatte und die Freude im Königsschloss groß war, schrieb die Königinmutter ihrem Sohn wie versprochen sogleich eine Nachricht, in der sie das Kleine bis in den Himmel lobte und ihrem Sohn zu diesem großartigen Nachwuchs gratulierte. Doch der Bote, den sie mit dieser Nachricht losgeschickt hatte, wurde unterwegs vom Schlaf übermannt, und während er schlief, tauschte der Teufel die Botschaft aus. In der Botschaft, die der König nun erhielt, stand: „Die Königin hat einen Wechselbalg geboren. Es hat die Behaarung eines Affen, die Klauen eines Adlers, das Gesicht einer Katze und das Brüllen eines Bären – es muss verflucht sein. Was sollen wir nur mit diesem Ungetüm machen?“ Der König erschrak sehr, doch weil er seine Frau sehr liebte, antwortete er seine Mutter solle nur gut für die beiden sorgen, er freue sich darauf heimzukommen und den Kleinen kennenzulernen. Doch auch auf dem Rückweg schlief der Bote wieder ein, und der Teufel vertauschte die Botschaft abermals. In der Botschaft, die die Königinmutter erhielt, stand:“ Dieser Wechselbalg muss wahrhaftig verflucht sein, ich will nichts mit ihm zu tun haben. Bring dieses Ungetüm um und bewahre mir als Beweis dafür seine Augen und sein Herz auf, dann jage die Königin zum Teufel!“ Die Königinmutter konnte nicht glauben, was sie da las, denn sie hatte ihren Sohn ganz anders eingeschätzt. Deshalb schickte sie wiederum einen Boten los und fragte, ob er das denn wirklich ernst meine, aber es kam die gleiche Botschaft zurück wie zuvor, denn auch dieses Mal tauschte der Teufel die Botschaften aus.
Die Königinmutter war sehr bestürzt und brachte es nicht übers Herz den kleinen Jungen zu töten, daher schickte sie den Jäger in den Wald um ihr Augen und Herz eines jungen Rehs zu bringen, diese wollte sie an Stelle der Augen und des Herzens ihres Enkels aufbewahren. Dann stattete sie ihre Schwiegertochter gut aus und schickte sie schweren Herzens hinaus in die Welt.
Als der König vom Krieg heimkehrte und sogleich Frau und Kind sehen wollte, berichtete die Königinmutter, dass sie getan hatte wie er verlangt hatte und zeigte ihm Augen, Herz und die Botschaft, die sie erhalten hatte. Da war der König sehr bestürzt und klärte sie über das Missverständnis auf. „Das ist ja furchtbar!“ sagte die Königinmutter. „Wie gut, dass ich nicht getan habe, was in der Botschaft stand, ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht. Augen und Herz, die ich dir gezeigt habe, stammen von einem Reh, und deine Frau habe ich zusammen mit dem Kind in die Welt hinaus geschickt.“ Da war der König sehr froh und zog ebenfalls in die Welt hinaus, um seine Frau und sein Kind zu suchen.
Lange Zeit zog der König durch die Welt und suchte und suchte und fand sie nicht. Er wusste schon kaum mehr, wo er noch suchen sollte, als er nach sieben langen Jahren an eine Hütte im Wald kam. Davor stand ein weiß gekleideter Geist, der zu ihm sagte: „Willkommen, Herr König, kommt herein, hier könnt ihr euch stärken.“ Nachdem er gegessen hatte, legte er sich auf die Ruhestatt neben dem Tisch, und alle Mühsal und Entbehrung der letzten sieben Jahre schienen von ihm abzufallen. Als er wieder zu sich kam und die Augen noch geschlossen hatte, spürte er wie ein Tuch auf seinem Gesicht lag und nur von seinem Atem bewegt wurde. Weil er neugierig war, was geschehen würde, blies er es weg, da legte es eine zarte Hand wieder auf sein Gesicht zurück. Wiederum blies er es weg, und dieses Mal öffnete er auch die Augen und erblickte an seiner Seite eine wunderschöne Frau und einen Jungen. „Wer seid ihr?“ fragte er sie. „Ich bin eure Frau, mein König, und dies ist euer Sohn“, antwortete sie. „Das kann nicht sein“, entgegnete er, „meine Frau hatte keine Hände, aber ihr habt die wunderschönsten Hände, die ich je gesehen habe.“ – „Schmerzenreich, geh und hole die silbernen Hände aus der Truhe“, hieß sie ihren Sohn. Als er die silbernen Hände brachte, sagte sie: „Diese silbernen Hände habt ihr mir zur Hochzeit machen lassen, erinnert ihr euch? Doch in der Zeit, in der ich hier war, sind meine Wunden geheilt und mir sind diese wunderbaren Hände gewachsen.“ Da schloss der König seine Frau und seinen Sohn freudig in die Arme. Sie kehrten zurück zum Schloss, feierten ein großes Fest und lebten glücklich bis an ihr Ende.
                            

The Girl without Hands - Part 2



“Should she go or should she stay?” we asked at the end of part 1.
Many of you answered that if they were the girl they would go – and all the same she did.

She said to her father: “Beloved father, I know that you care about me, but I cannot stay. Bind me my bundle onto my back and bind even my arm stumps below it, then let me trek into the world.” With a heavy heart her father agreed and let her go away.
She wandered the whole day, and as evening came by and she was really hungry, she came to a river which blocked her way. On the other side of the river lay a garden with a lot of fruit-bearing trees, and of one tree she was really fond of: It beard a lot of pears which were shining golden in the sinking sun. “How should I only get over it?” the girl groaned. In her distress she prayed to god to help her. Then god sent her an angel, strong, radiant white and beautiful like the bright day. He stood in the middle of the river with the result that the water accumulated behind him and she could go into the wonderful garden. There she gone immediately to the tree with the golden pears, positioned herself under one of these firm fruits and ate it with the mouth. When it got out of her control, the angel helped her to hold it. As she braced herself enough, the angel stood itself again into the river, so that she could cross it. On the other bank was a little grove, there he made up a place for her under a bush where she could sleep.
The other morning the king of that land, the owner of the orchard with the many fruit trees, went for a walk in it and discovered suddenly: “At my tree with the golden pears one is missing. Gardener!! Do you know where it has gone?” But the gardener couldn’t provide information to him, and the king was sure that it wasn’t the gardener who has stolen the pear. Then they decided both to lie in lookout for the next night in case the thief came back.
Then the gardener lied in lookout, and it passed the same as the night before: The angel stood itself in the river to make the crossing for the girl possible. She ate another golden pear with the angel helping her. Afterwards both went back to the grove on the other bank of the river.
As the gardener told the king the other morning of what he had seen, the king shouted: “Unbelievable! I have to see that with my own eyes! Tonight I will lie in lookout with you. But let us take the priest with us, he knows best how to deal with ghosts.”
As the night was falling down, the three lied in lookout like the gardener did the night before alone: The angel stood itself in the river, the girl came across and ate with his help another pear. Then the priest approached her: “Say to me, beautiful child, are you human or a ghost?” – “I am of flesh and blood, entirely like you, my lord”, she answered while the angel vanished. Immediately the king fell in love with the beautiful girl and invited her to stay at him, and shortly afterwards the wedding took place. Because of the love to his wife he let even make her hands of silver from his goldsmith. She could use them as it were her own ones.
The both were together very happy, and the girl who became queen expected now her first child as the king one day had to go to war far away. He was very sad about it and said to his mother: “Beloved mother, regrettably I have to go away, there is no help for it. Take care for my wife very well, and send me a message as soon as the child is born!” The queen mother agreed, and because she was dearly fond of her she didn’t let her go short during the absence of the king.
As the queen gave birth to a gorgeous little prince and all the royal place was very pleased, the queen mother wrote her son immediately a message as she has promised: In that message she praised the little one to the skies and congratulated her son to that magnificent offspring. But the messenger whom she has sent with the message fell asleep in transit, and while he slept the devil swapped the message. In the message that the king got now stood: “The queen has born a changeling. It has the hairiness of a monkey, the claws of an eagle, the face of a cat and the roaring of a bear – it has to be cursed. What shall we do now with that monster?” The king frightened a lot, but because he loved his wife a lot he answered his mother that she should care well for both and that he was looking forward to come home and to get the little one known. But on his way back the messenger again fell asleep, and the devil swapped the messages anew. In the message that got the queen mother stood: “That changeling indeed has to be cursed, I don’t want anything to do with him. Annihilate that monster and store as proof its eyes and heart, then send the queen packing.” The queen mother couldn’t believe what she read there because she took the measure of her son otherwise. Because of that she sent again a messenger to ask if the king is serious with that, but in return came the same message as before because even that time the devil swapped the messages.
The queen mother was very consternated and hadn’t the heart to kill the little boy, therefore she sent the gamekeeper into the forest to bring her eyes and heart of a young deer, those she wanted to store instead of the eyes and the heart of her grandson. Then she accredited she well and with a heavy heart she sent her to go into the world.
As the king returned from war and wanted readily to see his wife and son his mother reported that he has done as he has demanded and showed him the eyes, heart and the message she received. Then the king was very upset and cleared up the misunderstanding. “How awful!” the queen mother said. “How good that I haven’t done what was written in the message, I hadn’t the heart to do so. Eyes and heart that I have shown you are descended from a deer, and I have sent you wife together with the child into the world.” Then the king was very glad and also went into the world to look for his wife and his child.
The king trekked for a long time through the world and looked for them and couldn’t find them. He barely knew where else he could search as he came after seven long years to a hut in the forest. In front of it there stood a white clothed ghost who said to him: “Feel welcome, my king, come in, here you can brace yourself. After he had eaten he lay down on the bed beneath the table, and all the hardship and deprivation of the last seven years seem to fall of him. As he waked up and had his eyes yet closed he felt how a cloth laid on his face and was only moved by his breath. Because he was curious what would happen he blew it away, and then a gentle hand laid it back to his face. Again he blew it away, and this time he even opened the eyes and got sight of a gorgeous woman and a boy. “Who are you?” he asked them. “I am your woman, my king, and this is your son”, she answered. “That’s not possible”, he replied, “my wife had no hands, but you have the most beautiful hands I ever saw.” – “Richpains, go and fetch the hands of silver out of the chest”, she told her son to do. As he brought the hands of silver she said: “You let make these hands of silver for our wedding, do you remember? But during the time I was here my wounds healed, and those wonderful hands have grown.” Then the king clasped his wife and his son gladly into his arms. They returned to the castle, celebrated a big festival and lived happily unto their end.

Dienstag, 11. November 2014

Leben im Angesicht des Todes



Oh mein gütiger Vater,
Ich habe meine Tage oft damit vergeudet, Pläne zu schmieden.
Das hier war nicht so geplant.
Ich möchte dich in diesem Moment nur um eines bitten:
Lass mich in den nächsten Stunden nicht mutlos sein.
Für alles, was wir hätten denken müssen und niemals gedacht haben,
Für alles, was wir hätten sagen müssen und niemals gesagt haben,
Für alles, was wir hätten tun müssen und niemals getan haben:
Ich bitte dich, Gott, um Vergebung.

So betet Ahmed Ibn Fahdlan in Der 13. Krieger im Angesicht des Todes.
Er begleitet – als einziger arabischer Gesandter und Nichtkrieger – eine Schar von 12 Kriegern der Nordmänner, um eine Bestie zu bekämpfen.
Aber es stellt sich heraus, dass es bei dieser Unternehmung – und beim Krieger werden überhaupt -  nicht nur um die Bestie als äußere Bedrohung geht, die es zu bekämpfen gilt, sondern dass auf diesem Weg auch innere Bestien warten, denen er sich stellen muss.

Es mag zwar cool aussehen ein Krieger zu sein, aber darum geht es eigentlich nicht.
Gichin Funakoshi (1868-1957), der Gründer des modernen Karate, schrieb in seinem Werk Karate-Dô Nyûmon:

 Karate-Dô ist eine noble Kunst und jene, die stolz darauf sind, Bretter zu zerbrechen oder Ziegel zu zerschlagen, oder damit angeben, außergewöhnliche Taten zu vollbringen, wie Fleisch in Streifen zu reißen oder Rippen herauszuziehen, verstehen in Wirklichkeit nichts von Karate. Sie spielen in Blättern und Zweigen eines großen Baumes herum, ohne die geringste Ahnung vom Stamm zu haben.

Der Baum steht für den gesamten Weg des Kriegers, und der Stamm für seine Ausbildung – es braucht lange, bis ein Baum einen stabilen Stamm entwickelt hat, der eine große Krone tragen kann, und genauso ist der Weg des Kriegers, der Weg der Disziplin und des Kampfes gegen sich selbst, ein langer.
In den meisten Kampfkünsten geht es nicht nur um das Erlernen bestimmter Techniken für den Nahkampf, sondern auch um die Vervollkommnung des Charakters. Schon früh gelangte man zu der Erkenntnis, dass Kämpfer, die gefährliche Waffen besaßen und tödliche Techniken beherrschten, ohne einen Verhaltenskodex eine Gefahr darstellten.
Insbesondere im Karate spielt die Etikette eine große Rolle. Mit Respekt beginnt alles und endet alles. Weder man selbst noch der Trainingspartner soll verletzt werden. Die Ausbildung des Geistes hat Vorrang vor dem Ausbilden der körperlichen Fähigkeiten – auch wenn letzteres für sich genommen schon eine große Herausforderung ist. Dennoch müssen beide in Harmonie zueinander stehen, der vollendete Krieger ist der, der beides beherrscht – und dennoch wird die Vollkommenheit nie ganz erreicht, doch bleibt sie das höchste Ziel. Der Weg des Kriegers ist ein Lebensweg.

Jeder, der seine Kampfkunst ernst nimmt, muss sich später mit zwei Seiten derselben Medaille auseinandersetzen:

Ikken hisatsu.   Mit einem Schlag töten.

Die Technik muss so gut sitzen, so präzise sein, dass sie auf einen Schlag töten kann, denn im Ernstfall bekommt man vielleicht keine Chance für einen zweiten Schlag.
Das bedeutet: Wenn ich meine Technik präzise ausführe, könnte sie tödlich sein, könnte ein anderer Mensch durch mein Tun ums Leben kommen.
Und: Wenn die Technik meines Gegners präzise ausgeführt wird, könnte diese mich töten.
Das bedeutet Leben im Angesicht des Todes: Jede Technik, selbst wenn sie im Training ausgeführt wird, kann im ungünstigsten Fall ein Leben beenden.
Wer sich der Möglichkeit des Todes bewusst ist lebt bewusster, atmet sogar bewusster.

Und das bedeutet auch: Man muss eine Entscheidung treffen.
Man kann nicht ein bisschen ein Krieger sein. Ein Ein-bisschen-Krieger ist bei der nächsten Auseinandersetzung einen Kopf kürzer.

Entscheiden, was entschieden werden muss.
Sagen, was gesagt werden muss.
Tun, was getan werden muss.

Bewusst lebt es sich gut.
Und dann kann man auch einen weiteren Rat von Gichin Funakoshi gut beherzigen:

Hatsuun jindô. – Lass die Wolken ziehen, gehe deinen Weg.

Lauf nicht den Wegen der Anderen hinterher, denn sie haben ihre Entscheidungen getroffen, die nicht deine sind, auch wenn sie ihnen manchmal ähneln mögen.
Jeder Weg ist so individuell wie die Person, die ihn geht.
Zu treffende Entscheidungen sind Weggabelungen, manchmal auch Wendepunkte.
Wenn wir uns nicht entscheiden bedeutet das nicht, dass wir unsere Lebenszeit verlängern oder dass wir uns nicht verabschieden müssten.
Wenn wir uns nicht entscheiden verwirrt das unseren Weg, wir gehen mal hierhin, mal dorthin und laufen vielleicht sogar Gefahr unseren roten Faden zu verlieren.

Unser Weg hat ein Ziel.
Unser Weg hat ein Ziel, auch wenn wir es vielleicht nicht immer klar erkennen können.
Und wir sind aus einem bestimmten Grund hier, wir haben eine Aufgabe.

Je klarer unser Weg vor uns liegt, umso besser können wir nachvollziehen wie die Nordmänner im 13. Krieger angesichts des Todes sagen:

Dort treffe ich dann meinen Vater,
Dort treffe ich meine Mutter, meine Schwestern und meine Brüder.
Dort treffe ich dann alle Menschen meiner Ahnenreihe von Beginn an.
Sie rufen bereits nach mir.
Sie bitten mich, meinen Platz zwischen ihnen einzunehmen
Hinter den Toren von Walhalla,
Wo die tapferen Männer für alle Ewigkeit leben.

Wenn mein Weg hier zu Ende geht, treffe ich dort meine Ahnen und die, die mir auf die ein oder andere Weise verbunden waren.
An jenem jenseitigen Ort werden sich unsere Wege wieder kreuzen, und wir werden Gelegenheit dazu haben Ungesagtes zu sagen und Unheiles heilen zu lassen.

Doch jetzt bin ich hier und treffe heute meine Entscheidung für ein Leben in bewusster Gegenwart und Fülle.




Video-Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=WanOFPfmcnI


Living at death’s door



Merciful father,
I have squandered my days with plans of many things.
This was not among them.
But at this moment,
I beg only to live the next minutes well.
For all we ought to have thought, and have not thought;
All we ought to have said, and have not said;
All we ought to have done, and have not done;
I pray the God for forgiveness.

So prays Ahmed Ibn Fahdlan in The 13th Warrior at death’s door.
He accompanies – as only Arab ambassador and non-warrior – a throng of 12 warriors of the North men to fight against a beast.
But it turned out that with this venture - and with becoming a warrior in general - it is not only the question of the beast as an external threat that has to be combated, but that on this way even wait some inner beasts that have to be faced.

It may look cool to be a warrior, but actually that’s not the point.
Gichin Funakoshi (1868-1957), the founder of modern Karate, wrote in his book Karate-Dô Nyûmon:

Karate-Dô is a noble art and those who are proud to crack boards or to smash bricks, or to boast with achieving extraordinary deeds like ripping flesh into stripes or extricating ribs, as a matter of fact understand nothing about Karate. They fiddle about in the leaves and branches of a big tree without having a clue of the trunk.

The tree stands for the whole way of the warrior, and the trunk for his education – it takes long till the tree developed a sturdy trunk which can carry a big crown, and all the same is the way of the warrior, the way of discipline and of the struggle against oneself, a long one.
In the most martial arts it is not only a question of learning special techniques for the hand-to-hand-fight, but even of the completion of the character. Early on they realised that warriors who own dangerous weapons and master fatally techniques are without a code of behaviour a real peril.
Particularly in Karate the etiquette plays an important part. With respect everything begins and everything ends. The education of the spirit has priority over the physical skills – even if the latter taken by itself is yet a big challenge. Nevertheless both have to accord with each other, the accomplished warrior is that one who masters both – and however the perfection never is completely achieved, it stays still the greatest target. The way of the warrior is a journey through life.

Everybody who takes his martial art serious has sooner or later to deal with the two sides of the same coin:

Ikken hisatsu.  – To kill at a stroke.

The technique has to have sunk in as best, has to be as precise that it can kill at a stroke, because in an emergency you perhaps won’t have the opportunity for a second stroke.
That implies: If I do my technique precisely it could be deathful, somebody could lose one’s life because of my doing.
And: If my opponent does his techniques precisely it could kill me.
That means living at death’s door: Every technique, even if it is done in training, can in the most unfavourable case end the days of somebody.
Who is fully aware to the possibility of death lives more consciously, even breathes more consciously.

And that implies, too: You have to make a decision.
You cannot be a warrior for a bit. An a-bit-warrior is beheaded at the next combat.

To decide what has to be decided.
To say what has to be said.
To do what has to be done.

Consciously lived is it a good life.
And then you can good follow another advice of Gichin Funakoshi:

Hatsuun jindô. – Let the clouds pass, go your way.

Don’t run after the ways of the others, because they made their decisions which aren’t yours, even if they sometimes may seem similar.
Each way is as individual as the person who follows it.
Decisions which are to make are partings of the ways, sometimes watersheds, too.
If we don’t decide, that don’t means that we extend our lifespan or that we don’t have to say goodbye.
If we don’t decide that confuses our way, we go here and there and perhaps even run the risk to lose our golden thread.

Our way has a goal.
Our way has a goal, even if that isn’t always clearly recognisable for us.
And we are here for a certain reason, we have a task.

The clearer our way lies in front of us, the better we can comprehend how the North men say in The 13th Warrior at death’s door:

Lo there do I see my father,
Lo there do I see my mother, my sisters and my brothers.
Lo there do I see the line of my people, back to the beginning.
Lo, they do call to me,
They bid me to take my place among them,
In the halls of Valhalla,
Where the brave may live forever.

When my way ends here I’ll meet there my ancestors and they who were close to me in some form or another.
At that otherworldly place our ways will cross again, and we will have the occasion to say what is unsaid and to heal what is unhealed.

But now I am here and for today I make the decision for a life in conscious presence and fullness.



Video source: https://www.youtube.com/watch?v=tL1acYvpR_E#t=52