Samstag, 22. November 2014

Dem Leben Bedeutung geben



Welche Tugenden betrachten wir als maßgeblich?
Weisheit, Stärke, Gerechtigkeit, Mäßigung?
Ehrgeiz, Einfallsreichtum, Mut, Ergebenheit?
Oder etwas ganz anderes?
(Commodus im „Gladiator“)

Im Film „Gladiator“ ist der Tod präsent, dies ist eine Geschichte von Männern, die die nächste Schlacht oder die nächste Auseinandersetzung in der Arena teilweise nicht überleben – und sich dieser Tatsache überwiegend durchaus bewusst sind.
Für uns mag der Tod nicht so präsent sein, aber er bleibt Teil des Lebens.
Und unsere Prioritäten, unsere Entscheidungen entscheiden darüber, wie wir in Erinnerung bleiben.

Im Verlauf des Films unterhält sich Proximo mit Maximus über die beste Strategie in der Arena:

Lerne von mir: Ich war nicht der Beste, weil ich schnell getötet habe, ich war der Beste, weil die Menge mich liebte.
Gewinne die Menge, und du bekommst deine Freiheit.

Hier muss sich Maximus entscheiden: Will er seine Gegner einfach nur töten um als Sieger aus der Arena zu treten? Oder will er mehr?

Ich werde die Menge für mich gewinnen.
Ich werde ihnen etwas geben, was sie noch nie gesehen haben.

Seine Entscheidung ist gefallen: Etwas, das sie noch nie gesehen haben, etwas Einzigartiges will er der Menge geben.
Er hat entschieden, dass er etwas geben will bevor er abtritt, und dass das, was er geben will, etwas ganz Besonderes sein soll, etwas, das die Menge noch nicht gesehen hat.
Dabei ist ihm klar, dass jeder Kampf in der Arena sein Leben kosten, seinen Tod bedeuten könnte.
Aber er hat ein Ziel: Er will das Ansehen der Menge gewinnen, um den Kaiser zum Zweikampf herauszufordern und so seine Ehre und die Ehre Roms wieder herzustellen.
Um dieses Ziel zu erreichen bietet er der Menge eine einzigartige Show: Er fasziniert, er bewegt, er löst Emotionen aus – und die Menge trägt ihn, die Menge feiert ihn, die Menge spornt ihn zu Höchstleistungen an, so sehr, dass er den Imperator herausfordern kann und den Kampf trotz unfairer Voraussetzungen gewinnt. Er stellt die Ehre wieder her, stellt Recht und Ordnung wieder her, bevor er in der Arena stirbt und als Held geehrt wird.

Mit seiner Entscheidung wurde Maximus von einem, der alles verloren hatte, zu einem, der alles gewann, was ihm wichtig war. Er blieb was er gewesen war, ein verletzter, gebrochener, gedemütigter Mann, aber durch seine Entscheidung auf eine bestimmte Art und Weise in der Arena zu kämpfen, der Menge in der Arena mit seinen Fähigkeiten etwas noch nie Dagewesenes zu geben, gewann er ein neues Ziel, den Weg dorthin und die Menschen um sich herum. Er war ein Abgestürzter, der seinen Mut wiedergefunden hatte.

Am Ende des Films, als sein Freund Juba die Familienfiguren des Maximus an dem Ort in der Arena vergräbt, an dem dieser starb, sagt er:

Ich werde dich wiedersehen, aber jetzt noch nicht. Noch nicht.

Wir werden unsere verstorbenen Freunde, Helden, Verwandte wiedersehen, aber jetzt noch nicht. Noch nicht.
Jetzt sind wir hier und müssen entscheiden, wie wir unsere Menge gewinnen.

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