Mittwoch, 26. November 2014

Diesem einen will ich folgen



Irgendwann kommt die Situation, in der wir uns entscheiden – müssen?

Große Entscheidungen können geplant sein: Wir stehen vor einer Wegkreuzung, und es gibt zwei Wege: einen nach rechts und einen nach links. Wir können hin und her schwanken, wir können uns vor der Entscheidung drücken und sie eine Weile vor uns her schieben, aber irgendwann entscheiden wir uns zumeist doch, für den einen Weg oder den anderen.

Dann gibt es die ungeplanten Entscheidungen: Wir befinden uns in einer Situation, aus der heraus wir uns für einen bestimmten Weg entscheiden.
So geht es Balin im „Hobbit“:

Diesem einen will ich folgen.
Diesen einen kann ich König nennen.

So erzählt er von der Schlacht von Moria, in der der Zwergenprinz Thorin im Kampf gegen den weißen Ork Azog einen Eichenast ergriff und sich mit ihm als Schild verteidigte, Azog schwer verletzte und so das Ende der Schlacht herbeiführte. Der anschließende Weg führte nicht in den Triumph, sondern ins Exil – trotzdem folgt Balin Thorin und weicht von seiner Treue nicht ab. Balin hat damit eine Lebensentscheidung getroffen, so wie viele Menschen in der Antike oder noch vor nicht allzu langer Zeit auch in den asiatischen Kampfkünsten sie getroffen haben: Für ein Leben lang – oder zumindest für eine lange Zeit – dem Weg eines bestimmten Meisters zu folgen, sei es ein Meister der Kriegskünste oder ein Meister der religiösen bzw. philosophischen Wege. Das bedeutet sich zunächst voll und ganz auf einen bestimmten Weg bzw. dessen Interpretation durch den Meister einzulassen. Zuerst kommt das Erleben einer ganz bestimmten Tradition in einer ganz bestimmten Ausprägung – später, wenn man viel von der Tradition verstanden hat, auf dem Weg zum eigenen Meister werden ein gutes Stück vorangeschritten ist, die eigene Interpretation. Dabei geht es nicht darum den Meister zu kopieren, sondern es geht darum den eigenen Meister in sich zu finden, die eigenen Art zu finden die Tradition zu leben, in deren Linie man steht. Das Ziel dieser Art der Ausbildung bzw. der Jüngerschaft ist, dass nicht tote Zeichen und Rituale, nicht Asche weitergegeben wird, sondern lebendige Tradition, Glut, die wiederum andere Feuer entzünden kann.

Damit stellt sich auch für uns die Frage:
Wen betrachten wir als den einen, der es wert ist, dass wir ihm folgen?
Wessen Weg folgen wir?
Und was von diesem Weg ist für uns die wertvolle Glut, die wir entfachen, füttern, weitergeben wollen?

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