Samstag, 21. Februar 2015

Was ist Gesundheit?

Wenn wir jemandem „Gesundheit!“ wünschen – was wünschen wir dem anderen da (jedenfalls wenn wir diesen Satz nicht achtlos vor uns hin sagen)?
Meistens denken wir dabei wohl an körperliche Gesundheit, an die Abwesenheit von Krankheit, an die Genesung von einer Erkältung.
Aber ist das genau das, was wir unter Gesundheit verstehen?

Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit entspricht dem pathogenetischen Verständnis, wonach der Körper reparaturbedürftig ist, wenn ihm etwas fehlt – und bisweilen wird dann nur an Symptomen herumgedoktert ohne an der eigentlichen Ursache zu rühren.

Mit die bekannteste Gesundheitsdefinition dürfte wohl die sein, die die WHO 1948 veröffentlichte:
 „Gesundheit ist ein Zustand vollständigen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit oder Gebrechen.“
Das hört sich zuerst einmal logisch an: Gesundheit hat mehrere Komponenten, eine körperliche, eine seelische und eine soziale. Mindestens. Aber vollständiges Wohlbefinden? Bedeutet das dann, dass ich nicht gesund bin, wenn seelisch und sozial alles in Ordnung ist, ich aber Kopfschmerzen habe? Oder wenn ich körperlich gesund bin, aber Liebeskummer habe?
Der Ansatz ist gut, aber nicht so ganz überzeugend.

Heute wird meist auf die Definition von Klaus Hurrelmann (2000) Bezug genommen, der Gesundheit als einen Zustand versteht, in dem die Entwicklung des körperlichen, des seelischen und des sozialen Bereichs in Einklang steht mit den eigenen Möglichkeiten und Zielen und den äußeren Lebensbedingungen.
Gesundheit setzt sich also nicht nur aus unterschiedlichen vielfältigen Bereichen zusammen, sondern sie ist nie wirklich abgeschlossen – sie entwickelt sich in Abhängigkeit von den Lebensbedingungen der Umwelt und dem inneren Vermögen des Menschen.

Zum körperlichen Bereich gehören für mich die Konstitution des eigenen Körpers, die Ernährung, das Bewegungspensum, körperliche Stressreaktionen … . Den seelischen Bereich verbinde ich mit Zufriedenheit mit sich selbst und den eigenen Lebensbedingungen, einem selbstbestimmten Leben, dem zur Ruhe kommen aufgescheuchter Gedanken… . Und zum sozialen Bereich gehören enge Bindungen im Familien- und Freundeskreis genauso wie flüchtige und eher oberflächliche Kontakte, die Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen… .

Jeder Bereich ist für sich definierbar, dennoch beeinflussen sie sich gegenseitig und bilden so ein zusammengehörendes Ganzes: Was und wann wir essen beeinflusst nicht nur die Zusammensetzung unseres Körpers, sondern auch unsere Launen und unsere Widerstandsfähigkeit gegen Stress und Krankheiten. Unsere mentale Verfassung hat nicht nur Einfluss auf unsere Launen, sondern auch auf das Immunsystem. Und wenn wir mit unseren Sozialkontakten, auch mit denen auf der Arbeit, zufrieden sind, sind wir weniger anfällig für Stress, das gilt für körperlichen Stress genauso wie für den seelischen bis hin zum Burnout.

Trotzdem fehlt mir bei diesem Konzept noch ein Aspekt: Gesundheit hat für mich auch eine spirituelle Dimension. Damit meine ich die Rückbindung an einen tieferen Grund, die Verbindung mit allen Lebewesen, den Glauben an Wesen und Wirklichkeiten, die nicht von dieser sinnlich wahrnehmbaren Welt sind. Der spirituelle Aspekt ist natürlich mit den anderen drei Aspekten verbunden. Der vielleicht offensichtlichste ist der seelische Bereich. Menschen, die eine intrinsische Religiosität praktizieren, d.h. solche, für die ihre Religiosität innerlich bedeutsam und tragend ist und die nicht nur praktizieren, weil „man das halt so macht“ oder ständig beschäftigt sind mit der Frage „was sollen denn die Leute denken?“ – für solche Menschen hat ihre Religiosität oft eine Kraft, die ihnen auch seelische Stärke verleiht, psychischen Stress besser ertragen lässt und insgesamt mehr Zufriedenheit gibt. Religion ist in weiten Bereichen sozial organisiert, man trifft sich zu gemeinsamen Gebeten, Feiern, sozialem Engagement, Freizeitunternehmungen. Schließlich wirkt dieser Bereich auch auf den Körper: Von gemeinsamem Essen und Wallfahrten bis hin zu der Vorstellung, dass der eigene Körper etwas Wertvolles und Gottgegebenes ist und als solcher auch behandelt werden sollte.

Was Gesundheit für mich ist?
Für mich ist Gesundheit ein Zustand des Gleichgewichts. Ein gutes Maß an ausgewogener Ernährung und Bewegung, soziale Unternehmungen, Zeit für Ruhe und Rückzug, Verbindung zum größeren Ganzen – und dies alles in dem Bewusstsein, dass das Leben nicht statisch ist, sondern sich ständig verändert und weiterentwickelt. So kann ich auch dann gesund sein, wenn mich ein Zipperlein plagt oder das Leben gerade nicht nach Wunsch verläuft.

What is Health?

If we say to somebody: „Health“! (in German like “Bless you!” after sneezing) – what do we wish for the other one (if we don’t say this sentence thoughtlessly into space)?
At the most we probably think about physical health, about the absence of disease, about the recovery of a cold.
But is that exactly that what we understand by health?

Health as the absence of disease corresponds to the pathogenetic understanding, after which the body is in need of repair if something is ailing to it – and at times it is only tampered with symptoms without touching the very cause.

Among others, the best known definition of health is that one which was published of the WHO in 1948:
“Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.”
At first, that sounds logical. Health has several components, a physical one, a mental one and a social one. At the minimum. But complete well-being? Means that then that I am not healthy when I have a headache while mentally and socially everything is okay?  Or when I am physically healthy but am lovesick?
This approach is good, but not quite persuading.

Today it is mostly referred to the definition of Klaus Hurrelmann (2000) who understands health as a state in which the development of the physical, the mental and the social area are in harmony with the own possibilities and targets and the outer living conditions.
Therefore health is not only composed of several versatile areas, but it is never really complete – it emerges dependent on the living conditions of the surrounding and the inner faculty of the person.

For me, to the physical area belong the constitution of the own body, the nutrition, the deal of exercises, physical stress reactions… . The mental area I connect to contentment with oneself and the own living conditions, a self-determined life, the coming to rest of roused thoughts… . And to the social area belong close links to family and friends just like fugitive and more superficial contacts, the participation in cultural events… . Each area is definable for itself, however they influence each other and form this way a belonging together whole: What and when we eat influences not only the composition of our body, but also our moods and our resistance against stress and diseases. Our mental condition doesn’t only have bearing on our moods, but even on our immune system. And when we are happy with our social contacts, even with the ones at work, we are less prone for stress, that’s true for physical stress the same as for the mental one right up to burnout.

Nonetheless there is lacking an aspect in this concept for me: Health has for me a spiritual dimension, too. With that I am referring to the dependence to a deeper ground, the connection to all living beings, the belief to beings and realities which are not of this sensual perceivable world. Certainly the spiritual aspect is connected with the three other ones. The perhaps most obvious one is the mental area. Persons who practice an intrinsic religiosity, i.e. those for whom their religiosity is inwardly meaningful and bearing and who don’t only practice because “you have to do so” or are constantly busy with the question “what then will the people think?” – for those persons their religiosity has often a power that brings even mental strength to them, which let them stand mental stress better and gives them altogether more contentment. Religion is in wide parts organized socially, the people gather for prayers, feasts, social engagement, and leisure actions. Finally this area affects the body, too: From common meals and pilgrimages through to the perception that the own body is something precious and God-given and should be treated so.

What health for me is?

For me, health is a state of equilibrium. A good measure of a balanced diet and of exercises, social actions, time for rest and retreat, connection to the bigger whole – and all that with the awareness that life isn’t static but perpetually changing and developing further. That is why can even then be healthy when I am bothered by ailments or life actually don’t goes at one’s sweet will.

 

Mittwoch, 18. Februar 2015

Gesundheit!

Erkältungszeit, schniefende Nasen… Hatschi! „Gesundheit!“
Wie oft haben wir das nicht in letzter Zeit gesagt?
Vielleicht oft ohne wirklich darüber nachzudenken, was wir jemandem da wünschen?

Gesundheit – was genau ist das eigentlich?
 
Dieser Frage möchte ich hier in den nächsten Wochen nachgehen.
 

Health!

Season of colds and flu, sniffing noses… Achoo!
“Health!” (“Bless you!”)
How often we said that shortly?
Perhaps without really thinking about what we there wish to somebody?

Health – what exactly is that anyway?

In the following weeks I want to go further into that question.

Samstag, 14. Februar 2015

Die Glut oder die Asche weitergeben? Und was genau ist die Glut?

In Das Schiff des Theseus sind wir stehen geblieben bei der Frage: Welcher Bestandteil des Schiffes ist der, der zählt?
 
Ist es für die Wirksamkeit einer Tradition notwendig, dass sie ununterbrochen seit ihrem Anbeginn fortbestand?
Dass Originalgegenstände, die der Auslöser der Tradition selbst besessen oder berührt hat, weitergegeben werden?
Oder kann sie genauso wirkmächtig sein, wenn sie eine Zeit lang vergessen war und dann neu entdeckt wird?
Welche Bedingungen sind notwendig, um den ursprünglichen Sinn einer Tradition am besten zu erhalten?

Darüber streiten sich die Vertreter vieler Religionen und Weltanschauungen seit Jahrtausenden. Ist es ausschlaggebend, die eigene Blutlinie auf den Gründer oder eine andere bedeutende Gestalt zurückführen zu können? Die Worte, die er selbst gesprochen hat, in exakt dem gleichen Wortlaut bei einer Zeremonie zu wiederholen? Seinen Mantel oder Trinkbecher zu besitzen? Macht es schon einen Unterschied, wenn eine Reproduktion der Originalgegenstände verwendet wird oder wenn die Originalworte in eine andere Sprache übersetzt werden? Und was ist gar mit Interpretationen und Weiterführungen, mit Übertragungen in eine aktuellere Zeit? Sind sie weniger „echt“, weil manches erweitert, weggelassen oder in einen Kontext gesetzt wird, den die alten Schriften nicht vorgeben?

Eine alte Frau stand in ihrer Hütte am Herd in der Küche und öffnete ihn, um nach dem Feuer zu schauen. Bei ihr war ihre Enkelin, ein junges Mädchen, das gerne bei ihr war und heute lernen sollte, wie man Feuer von einem Ort zum anderen transportieren konnte. „Ah, es ist so weit!“ sagte die Alte. „Komm, Lucie, gib mir die Pfanne und die Kohlenzange her!“ Das Mädchen gab ihr die gewünschten Dinge. „Hier sind sie, Großmutter.“  - „Schau zu“, sagte die Großmutter, „und pass auf, es ist heiß. Du nimmst mit der Zange das glühende Holz heraus, zuerst ein paar größere Stücke, dann auch ein paar kleinere. Wenn ein bisschen Asche dabei ist, ist das in Ordnung, Asche und Glut lassen sich manchmal nur schwer trennen. Aber pass auf, dass du nicht zu viel Asche erwischst, denn wenn die Glut zu lange unter der Asche verborgen liegt, verlischt sie auch. Wenn du genug Glut in das Pfännchen gelegt hast, kannst du sie transportieren. Hier, nimm es!“ – „Oh, das ist wirklich heiß!“ – „Ja, aber das schaffst du schon. Jetzt halte es schön gerade, damit nichts herausfällt und geh hinüber zum Kamin. Ich habe ihn vorhin saubergemacht und alle alte Asche herausgeräumt. Jetzt nimm die Zange und lege die Glutstücke damit in den Kamin.“ – „So, Großmutter?“ – „Ja, du machst das genau richtig. Du kannst mir jetzt die Pfanne und die Zange geben, du brauchst sie jetzt nicht mehr. Jetzt leg ein paar dünne Äste und trockenes Laub darauf und blase in die Glut, so hilfst du ihr zu wachsen.“ Lucie tat was die Großmutter gesagt hatte. „Juhu, es funktioniert tatsächlich!“  - „Ja, natürlich funktioniert es, wenn man es richtig macht. Wenn die Flammen ein bisschen größer sind kannst du einen größeren Holzscheit darauf legen, und bald ist das Feuer so groß, dass es die ganze Stube wärmt.“ -  „Oh, es wird schon größer und wärmer. Ich freue mich so, dass ich das kann!“ – „Ja, mein Kind, ich freue mich auch. Beim nächsten Mal kannst du das auch ohne meine Hilfe.“

Worin genau besteht die Glut?
Sind es die Dinge? Ist es die ungebrochene Linie? Oder etwas ganz anderes?
Und sind Traditionen weniger wahr oder gehaltvoll, weil sie eine Zeit lang vergessen waren? Ist die Glut verloschen, weil wir das Feuer lange Zeit nicht mehr gesehen haben?

Lange hat man über Märchen diskutiert, ob sie noch zeitgemäß seien oder Schnee von gestern. Ob es den Originaltext bräuchte oder ob man sie frei erzählen solle. Ob sie überhaupt etwas für Kinder seien oder nicht insgesamt viel zu grausam für sie. Heute ist man sich meist darin einig, dass Kinder Märchen brauchen, dass die Symbole und Themen der Märchen auch jenseits der Worte wirken, aber auch darin, dass nicht jedes Märchen für Kinder geeignet ist und dass es darauf ankommt, wie es erzählt wird. Viele Märchen waren lange in Vergessenheit geraten und werden zur Zeit wieder entdeckt, teilweise auch neu interpretiert. Sollte man da sagen, sie hätten keine Bedeutung?

Oder lasst mich ein anderes Beispiel wählen: Die meisten kennen das Phänomen, dass ein Gericht dann am besten schmeckt, wenn es von der Mutter, der Oma oder einer anderen speziellen Person zubereitet wurde. Selbst wenn man mit den gleichen Zutaten nach dem gleichen Rezept das Gericht nachkocht – es schmeckt nicht genauso. Irgendetwas fehlt. Und dann kommt es von Zeit zu Zeit vor, dass – manchmal viele Jahre später – jemand Anderes das Rezept nachkocht, und auf einmal ist er wieder da – der Geschmack von damals, die Erinnerung an die Kindheit, das kleine Wunder. Was ist geschehen? Diese Person hat etwas hinzugefügt, das vorher gefehlt hat, etwas, das in kaum einem Rezept verzeichnet ist: Inspiration, Schöpferkraft, Lebensatem. Mit Inspiration können wir auch lange vergessenen Traditionen wieder Leben einhauchen, aber dieser Hauch ist nicht käuflich, sondern ein Geschenk – und auch davon abhängig, ob wir bereit dazu sind uns verwandeln zu lassen und das Wunder zu erleben.

 

Handing over the blaze or the cinder? And what exactly is the blaze?


In The Ship of Theseus we stopped with the question: Which one is the part oft the ship that counts?

Is it important for the efficiency of a tradition that it persisted unbroken from its beginning?That original objects which possessed or touched the trigger of the tradition are handed down?
Or can it be equally potent when it was forgotten for a time and is discovered from anew?
Which circumstances are essential to preserve the original meaning of a tradition the best?

Representatives of a lot of religions and ideologies quarrel about that since millennia. Is it crucial that you can trace back your bloodline to the founder or another important person? To repeat the words that he has spoken in the exact wording during a ceremony? To possess his coat or drinking cup? Is there already a difference if a reproduction of the original objects are used or if the original words are translated into another language? And what is even with interpretations and continuations, with transmissions into a more actual time? Are they less “true” because somewhat has been expanded, left out or set into a context that isn’t predetermined by the old scriptures?

An old woman stood at the hearth in the kitchen of her hut and opened it to look for the fire. Her granddaughter was with her, a young girl that loved it to be with her and that should learn today how to carry the fire from one place to another one. “Ah, the time has come!” the old woman said. “Come on, Lucie, give me the pan and the coal tongs!” The girl handed the requested things to her. “Here they are, grandma.”  - “Look on”, said the grandmother, “and be careful, it is hot. You take out the glowing wood with the tongs, at first a few bigger pieces, then some smaller ones. If there is a bit of cinder with it it’s okay, cinder and blaze are sometimes hard to separate. But pay attention that you don’t get too much cider, because if the blaze lies to long hidden under the cider, it goes out, too. If you have put enough blaze into your pannikin, you can transport it. Here, take it!” – “Oh, that’s really hot!” – “Yes, but you’ll do it. Now hold it straight that nothing drops out and go over to the chimney. Only just I cleaned it and put all the old cider out. Now take the tongs and put the pieces of blaze into the chimney.” – “Like that, grandma?” – “Yes, you’re doing it just the right way. Now you can hand the pan and the tongs to me, you don’t need them any more. Now put a few branchlets and dry foliage onto it and blow into the blaze, so you help it to grow.” Lucie did how the grandmother told her. “Wow, it really works!” – “Yes, for sure it works if you do it the right way. When the flames are a bit bigger you can put a bigger lot onto it, and soon is the fire that big that it warms the whole parlour.” – “Oh, it becomes bigger and warmer. I am so glad that I can do this!” – “Yes, my child, I’m glad, too. And the next time you can do that without my help.”

What exactly is the blaze?
Are it the things? Is it the unbroken line? Or something completely different?
And are traditions less true or contentful if they were forgotten for a time?
Has the blaze gone out because we haven’t seen the fire for a time?

For a long time there was a discussion about fairytales: If they were still contemporary or old news. If it needs the original text or if they should be told freely. If they were anyway something for children or not overall far too brutal. Today it is generally agreed that children need fairytales, that the symbols and themes of the fairytales even work beyond the words, but even that not every fairytale is suitable for children and that it is important how it is told. A lot of fairytales faded for long into obscurity and are actually rediscovered, partly interpreted in a new way. Should one say there were of no account?

Or let me choose another example: Most of you know the phenomenon that a dish tastes the best when it is prepared by the mother, the grandmother or another special person. Even if you take the same ingredients and cook it after the same recipe – it doesn’t taste the same way. Something is lacking. And then it happens from time to time that – sometimes after many years – another person recooks the recipe, and suddenly it is back – the taste of those days, the memory to the childhood, the little miracle. What has happened? This person added something that was lacking before, something that is barely scheduled in any recipe: Inspiration, creative power, life-breath. With inspiration we can breathe life into traditions, even into long forgotten ones. Though this breathe is not purchasable, but it is a gift – and it even depends on if we are ready to let transform ourselves and to experience the miracle.

Donnerstag, 12. Februar 2015

Das Schiff des Theseus


So, nach einer längeren kreativen Pause geht es hier wieder weiter.

Heute habe ich euch meine Variante des Schiffes des Theseus mitgebracht. Dabei handelt es sich um ein Gedankenexperiment, das zum ersten Mal von dem antiken Biografen und Philosophen Plutarch (1./2. Jh. n. Chr.) überliefert wurde.

 

  1. Theseus, ein griechischer Held, kommt nach vielen Abenteuern mit seinem Schiff zurück nach Hause. Das Schiff ist ein bisschen ramponiert, also lässt er in der Schiffswerft ein paar Planken auswechseln.

    Was meint ihr, ist das noch das Schiff des Theseus?


  2. Die Bewohner seiner Heimatinsel finden Theseus und seine Heldentaten so toll, dass sie nach seinem Tod sein Schiff in Ehren halten und jedes Jahr an dem Tag, als er von seinen Fahrten zurückgekehrt ist, einen Festzug veranstalten. Sie schmücken das Schiff mit Blumen, und seine Mannschaft steuert das Schiff einmal um die Insel, um unter großem Hallo wieder im Hafen anzukommen.

    Ist das noch das Schiff des Theseus?


  3. Nach hundert Jahren besteht die Tradition des Festes fort. Keiner, der damals dabei war, lebt noch, aber ihre Nachfahren feiern die Rückkehr des Theseus noch am gleichen Tag. Auch das Schiff ist älter geworden, im Lauf der Jahre wurden alle Planken ausgetauscht und durch neue ersetzt.

    Ist das noch das Schiff des Theseus?


  4. Dann findet ein junger Schiffshandwerker die Originalplanken im Schuppen der Werft und baut nach dem Originalbauplan das Schiff in mühsamer Kleinarbeit aus den Originalplanken wieder zusammen.

    Welches der beiden Schiffe ist jetzt das Schiff des Theseus?


  5. Zweihundert Jahre später ist die Tradition des Festes der Rückkehr des Theseus von seiner großen Fahrt eingeschlafen, nachdem keiner der Nachkommen der Rückkehrer mehr die Geschichte erzählen konnte. Nun erinnert sich schon keiner mehr daran, dass es dieses Fest je gegeben hat.
    Doch dann findet ein Nachkomme des Schiffshandwerkers einen Bericht über das Fest und den Bauplan des Schiffes auf dem Speicher. Das gefällt ihm so gut, dass er die Tradition wieder einführt und ein großes Volksfest daraus macht.

    Ist das das Schiff des Theseus?

 

Was denkt ihr, welcher Bestandteil des Schiffes ist der, der zählt?
 
 

The Ship of Theseus


Well, after a longer creative break I am back.

Today I have for you my version of the ship of Theseus. That is a thought experiment which was passed down at first by the ancient biographer and philosopher Plutarch (1./2. cent. A.D.).

 

  1. Theseus, a greek hero, returns after a good many of adventures with his ship back home.  The ship is a bit battered, because of that he orders to exchange some of the planks at the shipyard.

    What do you think: Is that still the ship of Theseus?


  2. The dwellers of his home isle are so fond of Theseus and his heroic deeds that they even after his dead cherish his ship and host a parade every year at the day he returned from his cruises. They adorned the ship with flowers, and his crew navigated the ship once around the isle to return again into the harbour under deafening cheers.

    Is that still the ship of Theseus?


  3. After hundred years the tradition of the celebration still lives on. Nobody who was back then part of the party still lived, but their descendants continued to celebrate the return of Theseus at the very day. Even the ship has become older, and over the years they have exchanged all the planks and replaced by new ones.

    Is that still the ship of Theseus?


  4. Then a young ship craftsman finds the original planks in the shed of the shipyard and builds the ship according to the original construction plan painstakingly of the original planks.

    Which one of the two ships is now the ship of Theseus?

  5. Two hundred years later the tradition of the celebration of the return of Theseus of his big cruise died out after none of the descendants of the returnees could tell the story anymore. Now already nobody remembered that there has ever been such a celebration. But then one of the descendants of the ship craftsman finds a report about the celebration and the construction plan of the ship at the attic. He likes it so much that he reintroduces the tradition and makes a big funfair of it.

    Is that the ship of Theseus?


What do you think, which part of the ship is that one that counts?