Dienstag, 24. März 2015

Wie wollt ihr alt werden?



Nein, Salutogenese ist nicht der Fachbegriff zur Berechnung der Flugbahn von Böllerschüssen, wie Kreuzknappe hier treffend feststellte.
Salutogenese wurde auch nicht „erfunden“, um unser Hirn mit einer weiteren Theorie zu bombardieren, sondern entstand als Ergebnis einer Suche danach, was den Menschen langfristig gesund (und auch glücklich) macht. Und man kann sich durchaus auch salutogenetisch verhalten, wenn man von dieser Theorie noch nie etwas gehört hat.

Liebe Leserinnen und Leser, wie wollt ihr alt werden?
Wie stellt ihr euch das Leben mit 60, 70, 80 oder noch mehr Jahren vor?

Schauen wir uns an, wie viele ältere Menschen in unserer Gesellschaft heute leben: Viele alte Menschen leben alleine und pflegen nur wenige soziale Kontakte. Mit der Zeit sind die Kinder erwachsen geworden und aus dem Haus gegangen, der Ehepartner ist gestorben, viele Freunde und Bekannte ebenfalls. Der Antrieb dazu, Neues zu entdecken und neue Menschen kennenzulernen fehlt oft. Das, was aus dem eigenen Leben wegfällt, wird oft vermisst und betrauert, die entstandenen Leerstellen werden aber meist nicht durch neue Erfahrungen aufgefüllt. Man bleibt den alten Gleisen und dem alten Trott treu. Dazu kommen im Alter immer mehr hauptsächlich ernährungs- und lebensstilbedingte Krankheiten, die das Aktivitätspotenzial zusätzlich verringern. Die meisten Menschen möchten zu Hause sterben, de facto sterben aber etwa 80% in Einrichtungen wie Altersheimen und Krankenhäusern.
Wollt ihr so leben, wenn ihr alt seid?

Dass es auch anders geht, zeigen z.B. die Alten von Okinawa. Okinawa gilt als die Inselgruppe der Hundertjährigen, als einer der Orte, am die meisten Hochbetagten (überwiegend gesund) leben.
Woran liegt das? Diese Fragen haben sich auch viele Forscher gestellt (die bekannteste davon ist wohl die  Okinawa Centenarian Study gestellt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Alten auf Okinawa manches anders machen als die Alten anderswo:

Erstens: Die Ernährung. Die Ernährungspyramide, die die meisten von uns kennen, sieht etwa so aus.
In der untersten Stufe stehen kohlenhydratreiche Lebensmittel: Getreide und Getreideprodukte wie Brot, Brötchen, Müsli, Nudeln, Reis, aber auch Kartoffeln. In der zweiten Stufe Obst und Gemüse, in der dritten Stufe Eiweißreiches wie Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, aber auch Tofu und Hülsenfrüchte. In der obersten Stufe steht fett- und zuckerreiches wie Öle und andere Fette, Nüsse, Süßigkeiten, zuckerhaltige Getränke.
Doch die Ernährungspyramide der Okinawer sieht ein bisschen anders aus: Die unterste Stufe teilen sich kohlenhydratreiche Produkte mit Gemüse, die zweite Stufe besteht aus Obst, Blattgemüse, Milchprodukte und Tofu. Darüber stehen Fisch, Algen und Nüsse, darüber Öle, Kräuter und Gewürze. Fleisch, Eier und Süßigkeiten werden nur selten verzehrt. Außerdem schwören viele Okinawer auf den regelmäßigen Verzehr der Goya-Frucht, das ist eine bitter schmeckende Melonenart, die so ähnlich aussieht wie eine Gurke ###.
Ein weiterer Bestandteil der Ernährung ist der „hara hachi bu“-Grundsatz: das heißt, der Magen wird nur zu etwa 80% gefüllt und nach den Mahlzeiten wird eine Essenspause gemacht, so wird Überessen verhindert und die Verdauungsorgane werden nicht überlastet (Link). 

Zweitens: Bewegung. Jeden Nachmittag trifft man sich auf dem zentralen Platz zum Gateball-Spielen, eine Art japanischem Cricket, wie die 90jährige Sumiko, nachdem sie vormittags auf ihrem Acker gearbeitet hat. Sie hat Unkraut gejätet und Gemüse geerntet, trotzdem ist sie fit wie ein Turnschuh, und sie ist nicht die Einzige – die anderen Mitspieler sind auch alle um die 100 Jahre alt.

Drittens: Eine Arbeit. Viele Hundertjährige gehen einer geregelten Arbeit nach, sie verkaufen zum Beispiel an einem Stand auf dem Markt oder arbeiten auf dem Feld, wenn auch nicht mehr so viel wie mit 60. So etwas wie einen Ruhestand gibt es hier nicht. „Was soll ich allein zu Hause?“, antwortete eine Okinawerin auf die entsprechende Nachfrage. Und ein Betreiber eines Marktstandes, der gerade eine 101-Jährige eingestellt hatte: „Eine Oma als Verkäuferin bringt mir mindestens 10 Omas als neue Kundinnen.“

Viertens: Gemeinschaft. Man kann auf Okinawa alleine sein, wenn man das will, aber man muss es nicht. Die Alten kochen und essen oft zusammen, nachmittags trifft man sich zum Gateball-Spiel, außerdem leben viele Okinawer mit ihrer Großfamilie zusammen.

Fünftens: Spiritualität. Die Religion ist geprägt von einer Mischung aus Shintoismus und Buddhismus, die Ahnen und das Bewusstsein der eigenen Geschichte spielt dabei eine besondere Rolle. Man sagt auf Okinawa, die Alten hätten einen besonderen Draht zu den Ahnen, insbesondere die Frauen.

Insgesamt ist dies das Gesamtkonzept einer ländlichen Bevölkerung.
Auch in Okinawa ist nicht mehr alles wie es war: Die Jungen ziehen in die Großstädte, und die „jungen“ Alten pflegen einen anderen Lebensstil. Es liegt weniger an dem Ort und auch nicht an den Genen, dass die Alten so alt werden und so gesund sind, sondern vielmehr am Lebensstil – und ist somit auch eine Frage der Wahl.

„Okinawa ist weit weg.“, magst du sagen.
Oder: „Goya-Frucht? Echt jetzt?“
Im nächsten Beitrag werden wir der Frage nachgehen, was von diesem Lebensstil wir für uns adaptieren können.



How do you want to grow old?



No, salutogenesis is not the technical term for the reckoning of the trajectory of gun salutes, how Kreuzknappe stated here appropriately.
Neither salutogenesis was “invented” to bomb our brain with a further theory, but it originated as a result of the search for the question what keeps people for the long term healthy (and happy, too). And you can indeed behave in a salutogenetic way without having ever out of that theory.

Dear readers, how do you want to grow old?
How do you envision your life with 60, 70, 80 or still more years?

Well, have a look how a lot of old people of our society live today: A lot of elders live alone and cultivate only rare social contacts. With the time the children grew up and stepped out, the spouse died, a lot of friends and acquaintances as well. The urge to discover new things and to meet new people often lacks. That what drops out of the own life often is missed and mourned, but the vacancies are usually not filled up with new experiences. They remain faithful to the old tracks and the old trot. Moreover with the age there come mainly illnesses because of nutrition and lifestyle which additionally lower the potential of activity. Most people want to die at home, but in fact 80% die in institutions like retirement homes and hospitals.
Do you want to live like that when you have grown old?

But there is another way – that show for example the elders of Okinawa. Okinawa is said to be the group of isles of the centenarians, to be one of the places where live most of the very old persons (and predominantly in good health).

What is it what does the trick? Even a lot of searchers asked this question (the most popular one is probably the Okinawan Centenarian Study ) and came to the conclusion that the elders of Okinawa do something differently than the elders elsewhere:

At first: The nutrition. The food guide pyramid that most of us know looks approximately like that:
The lowest stage are high carb foods: grain and cereal products like bread, rolls, muesli, noodles, rice, but even potatoes. In the second stage are fruits and vegetables, in the third one high proteins like meat, fish, eggs, milk products, but even tofu and leguminous plants. In the top stage there are high fats and high sugars like oils and other fats, nuts, sweets, sugar-containing drinks. But the food pyramid of the Okinawans looks a bit different: The lowest Stage make high carbs and vegetables, the second stage consists of fruits, leafy greens, milk products and tofu. Above it stand fish, algae and nuts, thereover oils, herbs and spices. Meat, eggs and sweets are consumed rarely. Furthermore, a lot of Okinawans swear by the Goya fruit, that is a bitter tasting kind of melon that looks similar to a cucumber.
Another part of the nutrition is the „hara hachi bu“-guideline: that means that the stomach is only filled unto 80% and after the meals there is a food break, so overeating should be prevented and the digestive organs are not overloaded (Link).

In the second place: Exercise. Every afternoon they meet at the central place to play gateball, a kind of japanese cricket, like the 90-year-old Sumiko, after she worked on her field in the morning. She pulled up weeds and harvested vegetables, nevertheless she is as fit as a fiddle, and she is not he only one – the other teammates are all about hundred years old, too.

In the third place: A task. A lot of centenarians have a steady job, the sell for example at a stall on the market or work in the field, if not as much as with 60. Something like a retirement isn’t known here. “What should I do alone at home?”, answered an Okinawan woman to the corresponding inquiry. And an operator of a market stall who recently came to hire a 101-year-old: “A granny as a saleswoman grants me at minimum 10 grannies as new customers.”

In the fourth place: Community. You can be lonely on Okinawa, but you don’t have to. The elders cook and eat often together, in the afternoon they meet to play gateball, moreover a lot of Okinawans live with their extended family.

In the fifth place: Spirituality. The local religion is characterized by a mixture of shintoism and Buddhism, the ancestors and the consciousness of the own history play an important role therein. On Okinawa it is said that the elders have a good rapport with the ancestors, especially the women.

All together this is the concept of a rural population.
Even in Okinawa the things change: The young ones move into the big cities, and the “young” elders keep another style of life. It is less the place and even not the genes that the elders become so old and are so healthy but it is more the style of life – and therefore it is a question of choice.

You may say “Okinawa is far away.”
Or: “Goya-fruit? For real?”
In the next post we will consider the question what of this lifestyle we can adapt for ourselves.


Sonntag, 8. März 2015

Warum bleiben manche Menschen gesund und andere werden krank?



Warum kommen manche Menschen mit widrigen Umständen zurecht, und andere scheitern daran?
Und letzten Endes: Wie entsteht Gesundheit beziehungsweise was hält den Menschen gesund?

Dies waren die Fragen, die sich Aaron Antonovsky (1923-1994), ein israelisch-amerikanischer Soziologe, stellte, vor allem nachdem er herausgefunden hatte, dass etwa ein Drittel der von ihm untersuchten Gruppe von KZ-Überlebenden in überraschend guter mentaler Verfassung war. Daraus entwickelte er in den 1970er Jahren das Konzept der Salutogenese.
Nach Antonovsky ist man nie völlig gesund oder völlig krank, sondern bewegt sich Zeit seines Lebens auf einem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum und pendelt zwischen den Extremen. Um einen möglichst ausgeglichenen Zustand zu erreichen, kommen mehrere Faktoren zum Tragen:

Ein Faktor sind Stressoren, damit meint er alle Reize, die Stress erzeugen. Dazu gehören für ihn vor allem die chronischen Stressoren (wie Krieg, Armut, schlechte hygienische Verhältnisse und Ernährung, körperliche Einschränkungen, ständige Über- bzw. Unterforderung), am Rande auch alltägliche Stressoren (wie Termindruck, Komplexität des Alltags, körperliche und psychische Beanspruchung) und kritische Lebensereignisse (wie Tod eines Angehörigen, Umzug oder andere gravierende Veränderungen des sozialen Umfeldes). Diese Stressoren sorgen für eine Spannung, die unausgeglichen überhand nehmen und krank machen kann.

Dazu braucht es als ausgleichenden zweiten Faktor die Widerstandsressourcen. Dazu gehören einerseits individuelle Widerstandsressourcen (wie körperliche Ressourcen, Bewältigungsstrategien, Intelligenz), andererseits auch soziale und kulturelle Ressourcen (wie
kulturelle Stabilität, soziale Unterstützung und finanzielle Möglichkeiten).

Diese beiden Faktoren bewegen den Zustand des Menschen wie ein Perpetuum Mobile auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum immer hin und her.

Stabilität gewinnt dieses Hin- und Herpendeln erst durch einen dritten Faktor: das Kohärenzsinn (SOC = sense of coherence). Man könnte diesen Kohärenzsinn auch als Weltanschauung oder Grundeinstellung zum Leben bezeichnen, eine Grundeinstellung, mit der die Welt als zusammenhängend und sinnvoll erlebt wird. Diese setzt sich aus drei Komponenten zusammen:
Erstens aus dem Gefühl der Verstehbarkeit: Dies bedeutet, dass Menschen in der Lage sind, ihre Umwelt zu verstehen, also eintreffende Reize zu ordnen und verarbeiten zu können bzw. ihnen schon mit der entsprechenden Erwartung entgegentreten zu können. Das Gegenteil wäre eine Welt, die als willkürlich, unplanbar, chaotisch und unerklärbar erscheint.
Die zweite Komponente ist das Gefühl der Bewältigbarkeit: Damit gemeint ist die Grundeinstellung, dass auftauchende Schwierigkeiten lösbar sind. Dabei geht es nicht nur um die Überzeugung, dass das eigene Handeln zielführend ist, sondern auch um das Vertrauen, dass andere Menschen oder eine höhere Macht bei der Bewältigung von Hindernissen helfen. Menschen, denen diese Überzeugung fehlt, sehen sich den Widrigkeiten des Lebens ausgeliefert und haben den Eindruck, nichts dagegen unternehmen zu können und eben auf der Schattenseite des Lebens zu stehen.
Die dritte Komponente ist das Gefühl der Sinnhaftigkeit: Damit gemeint ist, inwiefern das Leben als sinnvoll empfunden wird, dass sie Herausforderungen des Lebens es wert sind, sich dafür zu engagieren und Lösungen zu suchen. Ein Mensch, dem diese Komponente fehlt, empfindet das Leben als Qual und jede weitere Herausforderung als weitere Last.
Je stärker der Kohärenzsinn ausgeprägt ist, umso flexibler kann der Mensch auf Herausforderungen reagieren und die der Situation entsprechenden Ressourcen und Bewältigungsstrategien aktivieren.

Antonovsky war der Ansicht, der SOC hätte den größten Einfluss auf die körperliche Gesundheit – dies konnte durch die empirische Forschung nicht bestätigt werden. Diese konnte allerdings nachweisen, dass erhebliche Einflüsse auf die psychische Gesundheit zu verzeichnen sind, obwohl Antonovsky das für unwahrscheinlich hielt.
So konnte Lundberg 1997 nachweisen, dass Menschen mit hohem SOC-Wert ein wesentlich geringeres Risiko haben, an psychischen Krankheiten zu leiden, andere Studien bestätigen diese Tendenz, ebenso den Zusammenhang zwischen niedrigem SOC-Wert und Ängstlichkeit bzw. Depressivität.
Noch größere Bedeutung scheint der SOC bei der Bewältigung von Stress zu haben: Er erleichtert die Anpassung an schwierige Lebenssituationen wie Behinderung oder die Pflege eines erkrankten Angehörigen (Dangoor/ Florian 1994, Rena u.a. 1996) und korreliert positiv mit aktiven Bewältigungsstrategien in schwierigen Situationen. Dahingegen gehen niedrige SOC-Werte einher mit depressivem Bewältigungsverhalten (Backer u.a. 1996), Hilflosigkeit (Callahan/ Pincus 1995) und Resignation (Rimann/ Udris 1998) einher.
Belege lassen sich auch für den Zusammenhang zwischen SOC und sozialem Umfeld finden: Je höher der SOC-Wert, desto höher die Anzahl der Freunde (Larsson/ Kallenberg 1996), ein hoher SOC-Wert geht mit hoher ehelichen Zufriedenheit bei gelähmten Patienten einher (Rene u.a. 1996) und es gibt eine positive Korrelation zwischen SOC und sozialer Unterstützung (Becker u.a. 1996).
Die Ausprägung des SOC ist kulturunabhängig;  bezüglich Geschlecht, Alter, Bildungsstand und sozioökonomischem Status gibt es unterschiedliche Studien, die aber keine eindeutige Interpretation in die eine oder andere Richtung zulassen.

Ich mag dieses Konzept, weil es die Vielschichtigkeit von Gesundheit zeigt. Es gibt nicht den einen Faktor (wie ein Virus, der einen erwischt, ein Unfall, eine persönliche Krise), der darüber entscheidet, ob man gesund ist oder nicht, sondern es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die im Endeffekt über den Gesundheitszustand entscheiden: ein kritisches Ereignis als Auslöser in Kombination mit anderen Stressoren, den Widerstandsressourcen und dem grundsätzlichen Kohärenzsinn. Dass der Kohärenzsinn mit der psychischen Gesundheit einhergeht ist nicht wirklich überraschend, oder? Wenn ich der festen Überzeugung bin, dass Situationen zu einem guten Ende kommen und ich erwarte, dass ein Problem gelöst werden kann, dann bin ich gelassener und weniger gestresst. Wenn ich dahingegen der Ansicht bin, dass es schon eine Katastrophe ist, wenn ich meinem Job zwei, drei Tage lang nicht nachgehen kann, setzt mich das unter einen immensen Stress.
Der Kohärenzsinn wird meist als psychologische Variable verstanden, die auch in psychologisch orientierten Settings untersucht wird. Der spirituellen Dimension der Salutogenese wird bislang – vor allem im deutschsprachigen Raum – kaum Beachtung geschenkt, hier besteht weiterhin Forschungsbedarf.



Why do some people stay healthy and others become ill?



Why some people are able to cope with adverse conditions and others fail?
And ultimately: How does health develop respectively what keeps oneself healthy?

These were the questions which were posed by Aaron Antonovsky (1923-1994), a Israeli-American sociologist, especially after he found out that about a third of the group of concentration camp-survivors evaluated by him was in an unexpected good mental condition. Thereof he developed in the 1970ies the concept of salutogenesis.
He vindicated the point of view that you are never completely healthy or completely ill, but you move all your life in the health-ease-continuum and oscillate between the extremes. To achieve a condition as balanced as possible, several factors come into effect:

One factor are the stressors, with that he means all stimuli that generate stress. For him that are mainly the chronic stressors (like war, poverty, poor hygienic or nutritional conditions, physical restrictions, permanently mental over- or underload), at the sidelines even mundane stressors (like time pressure, complexity of everyday life, physical and psychical strain) and critical life events (like death of a kin, relocation or other grave changes of the social environment). These stressors rock the boat, and if unbalanced, they can gain the upper hand and sicken you.

To prevent that it needs as a second balancing factor the resistance resources. Those are on the one hand individual resistance resources (like physical resources, coping strategies, and intelligence), on the other hand even social and cultural resources (like cultural stability, social support and financial possibilities).

These two factors oscillate your circumstance like a perpetuum mobile on the health-ease-continuum back and forth.

This back-and-forth-oscillating gains stability only through the third factor: the sense of coherence (SOC). You can name this sense of coherence even as worldview or basic attitude to life, a basic attitude, with which the world is experienced as interrelated and meaningful. This consists of three components:
At first of the sense of comprehensibility: That means that people are able to understand their surroundings, so to array and process incoming stimuli resp. already facing them with the corresponding expectation. The opposite would be a world that seems to be haphazardly, unpredictable, chaotic and inexplicable.
The second component is the sense of manageability: That is the basic attitude, that incoming difficulties are solvable. That is not only about your own expedient acting, but also about the confidence that other people or a higher power help with the coping with obstacles. People who lack of this creed see oneself to be delivered to the odds of life, and are under the impression that they can undertake nothing to change their situation. They think they are simply on the shady side of life.
The third component is the sense of meaningfulness. That means how far life is perceived as meaningful, that the challenges of life are worth to engage for them and to search for solutions. People who lack of this component perceive life as a torture and every further challenge is a further load for them.
The more the sense of coherence is developed, the more flexible you can react to challenges and you can activate the appropriate resources and coping strategies.

Antonovsky considered that the SOC had the biggest impact to physical health – that couldn’t be proved by empiric research. However it could verify that considerable impacts on psychic health are to report, though Antonovsky deemed it improbable.
So Lundberg could verify in 1997 that people with a high SOC-value have a substantial lower risk to suffer from psychic diseases. Other studies prove that inclination, likewise the cohesion between low SOC-value and anxiety resp. depressiveness.
The SOC seems to have a considerably larger impact on the coping with stress: It facilitates the fitting with hard living conditions like disability or the tendency for a sick relative (Dangoor/ Florian 1994, Rena et. al. 1996) and correlates positively with active coping strategies in trying situations. On the other hand low SOC-values are associated with depressive coping behaviour (Backer et. al. 1996), helplessness (Callahan/ Pincus 1995) and resignation (Rimann/ Udris 1998).
Evidence is found for the correlation between the SOC and social environment, too: The higher the SOC-value, the higher the number of friends (Larsson/ Kallenberg 1996), a high SOC-value is associated with high matrimonial happiness of paralysed patients (Rene et. al. 1996) and a positive correlation is found between the SOC and social support (Becker et. al. 1996).
The manifestation of the SOC is independent of culture; there are different studies concerning gender, age, educational background and socioeconomic status – but the results don’t admit a plain interpretation in the one or the other direction.

I like this concept, because it shows the multifacetedness of health. There is not the one and only factor (like a virus that catches you, an accident, a personal crisis) that decides about health or ease, but there is a multitude of factors that ultimately decides on our health condition: a critical incident as trigger in combination with other stressors, the resistance resources and the fundamentally sense of coherence. It is not really surprising that the sense of coherence is associated with psychic health, is it? If I have the strong conviction that a situation will come to a good end and if I expect that my problem can be solved, I am calmer and less stressed. But if I take the view that it is yet a catastrophe if I cannot pursue my job for two or three days, that puts me under pressure and can cause immense stress.
The sense of coherence is mostly understood as a psychological variable which is as well investigated in psychological settings. To date, especially in the German-speaking area, the spiritual dimension of the salutogenesis is rarely attached value, here furthermore persists need for research.


Sonntag, 1. März 2015

Resilienz



Resilienz wird oft mit Gesundheit in einem Atemzug genannt.
Unter Resilienz versteht man nach Wustmann (2004) „die psychologische Widerstandsfähigkeit gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken“, manchmal wird sie auch als „Stehaufmännchenqualität“ bezeichnet.
Diese Widerstandsfähigkeit ist von zwei wichtigen Gruppen von Faktoren abhängig: von Risiko- und Schutzfaktoren. Risikofaktoren, die die Widerstandsfähigkeit beeinträchtigen können, sind unter anderem soziale Isolation, Mobbing, beengte Wohnverhältnisse, Verlust eines Familienmitgliedes oder Freundes, und insbesondere für Kinder auch Entwicklungsdefizite, niedriger sozioökonomischer Status, ein alleinerziehendes Elternteil und ein niedriges Bildungsniveau der Eltern. Zu den Schutzfaktoren, die die Widerstandsfähigkeit stärken können, gehören Selbstwirksamkeit, Selbststeuerung, Soziale Kompetenzen, Problemlösefähigkeiten, guter Umgang mit Stress, und vor allem für Kinder auch stabile Bezugspersonen, hoher sozioökonomischer Status und ein hohes Bildungsniveau der Eltern.

„Ein sehr schönes literarisches Beispiel für ein resilientes Kind ist Pippilotta Langstrumpf. Ihre Mutter starb sehr früh, ihr Vater ist viel unterwegs und kümmert sich nur sporadisch um sie. … Bei allen Risiken, die ihre Biografie in sich birgt, verfügt sie über ein großes Repertoire an Bewältigungsstrategien. …
Sie denkt ausgesprochen positiv, hat viele Ideen, wie sich Probleme lösen lassen, ist wissbegierig und fragend und zeigt viel Humor. Sie verhält sich in ihrem Anliegen zielorientiert und ist unerschütterlich in ihren Selbstwahrnehmungen.“ (Manfred Burghardt, 2005)

Das hört sich toll an, oder?
Dem was da von Außen auf uns einprasselt widerstehen können, dem Ansturm etwas entgegensetzen können.
Menschen haben sich schon immer angegriffen und bedroht gefühlt, oder zumindest immer wieder. Vielleicht ist heute das Gefühl der psychischen Bedrohung am stärksten, für unsere körperlichen Bedürfnisse ist zumeist gesorgt. Wir haben zu essen, ein Dach über dem Kopf, zumeist wohl temperiert, leben in geordneten hygienischen und oft auch finanziellen Verhältnissen. Und trotzdem haben wir das Bedürfnis geschützt zu sein, umfangen zu sein, etwas für uns zu tun.
Nur was genau meinen wir damit?
Wollen wir unsere Membranen verdicken, damit nichts mehr zu uns durchdringen kann?
Wollen wir unsere Mauern verstärken, auf dass wir nicht gekapert werden?
Wollen wir die komplette Undurchlässigkeit?
Denn wenn wir unsere Außenhülle immer weiter verstärken, immer weitere Mauerschichten hinzufügen, wird sie zunehmend undurchlässig – nicht nur für Angriffe anderer Menschen oder der Umwelt, sondern auch für das, was das Zwischenmenschliche und das Leben überhaupt angenehm macht, wenn nicht lebenswert: für Zuneigung, Freundschaft, Liebe, tiefe Kommunikation, Freude am Leben.
Wollen wir das wirklich?

Resilire – das bedeutet abspringen, zurückprallen.
Resilire – das impliziert immer einen Widerstand, eine Opposition.
Pippi Langstrumpf ist ein starkes Mädchen. Sie setzt ihre Opposition denen entgegen, die von Außen etwas von ihr fordern – seien es Ganoven, Polizisten oder Fräulein Prüsselius.
Doch ihr Entgegensetzen, ihre Strategien zur Bewältigung ihrer Probleme ist nicht alles. Resilienz ist wichtig, doch sie ist nicht alles. Gesundheit ist nicht nur ein Dagegen, es ist mehr. Nicht nur resilire, sondern auch re-silentium („zurück zur Ruhe“)  - ein Zurückziehen vor der Welt, um dann wieder in die Welt hinausgehen zu können. Der Schutz vor äußeren Einflüssen ist für uns manchmal wichtig, er hat seinen Platz – aber dabei dürfen wir nicht stehen bleiben. Nur aus Widerstand entsteht keine Lebensfreude. Wenn wir unsere Außenmauern zu sehr verstärken, mauern wir uns ein – aber wir brauchen Membranen, die nach außen so durchlässig sind, dass sie uns erlauben mit unserer Außenwelt in Kontakt zu treten, zu kommunizieren – und trotzdem nicht mit ihr zu verschmelzen, sondern wir selbst zu bleiben.


Resilience



Resilience is often mentioned in the same breath with health.
Resilience is often defined as “the psychological resistance towards biological, psychological and psychosocial risks of development” (Wustmann, 2004), sometimes it is also called as “bouncebackabiliy”.
That resistance depends on two important groups of factors: risk factors and safety factors. Risk factors, which can impair the resistance, are among others social isolation, bullying, incapacious housing conditions, loss of a family member or a friend, and especially for children even developmental deficits, low socioeconomic status, having a single parent and low educational level of the parents. To the safety factors which can strengthen the resistance belong self-efficacy, self-monitoring, social competences, problem-solving abilities, good dealing with stress, and above all for children even stable caregivers, high socioeconomic status, and high educational level of the parents.

„A very nice literary example for a resilient child is Pippilotta Langstrumpf. Her mother dies early, her father is a lot on the road and cares only sporadically for her. … With all the risks that entail her biography, she has a big repertoire of coping strategies at her disposal.

She thinks extremely positive, has a lot of ideas how to solve problems, is inquisitive and interrogative and shows a lot of humour. She behaves targeted in her concern and is unswerving in her self-awareness.” (Manfred Burghardt, 2005)

That sounds good, isn’t it?
To be able to resist to that what drums from the outside onto us, to be able to oppose something to the rush.
Humans always felt assaulted and threatened, or at least time after time.
Perhaps today the feeling of psychical threat is the strongest ones, mostly it is cared for our physical necessities. We have to eat, a place to live, in most cases at the right temperature, we live in ordered circumstances, hygienically and often even financially. And we have still the need to be sheltered, to be surrounded, to give oneself a treat.
But what exactly do we mean with that?
Do we want to thicken our membranes that nothing could go through to us?
Do we want to strengthen our walls, so that we cannot be captured?
Do we want the complete impermeability?
For if we strengthen our outer shell more and more, add further layers of walls, it becomes more and more impermeable – not only for assaults of other people, but even for that what makes the interpersonal things and life in general pleasant, if not worth living: for affection, friendship, love, deep communication, joy of living.
Do we really want that?

Resilire – that means to jump off, to bounce back.
Resilire – that implies always a resistance, an opposition.
Pippi Langstrumpf is a strong girl. She sets her opposition against those who want from the outside something from her – be it hoodlums, policemen or Miss Prüsselius. But her opposing, her strategies to cope with her problems, there’s more to come. Health is not only an against it, there is more. Not only resilire, but even re-silentium (“back to silence”) – a backtracking of the world to be then able to exit again back into the world. The protection of outer influences is sometimes important for us, it has its place – but we mustn’t stand still with that. Of resistance alone arises no joy of living. If we strengthen our outer walls too much, we immure ourselves – but we need membranes that are so permeable to the outside that they allow us to make contact with our outer world, to communicate – and nevertheless not to merge with it, but to stay ourselves.