Sonntag, 27. September 2015

Schatzinseln des Bücherregals (5): Über die Hölle – und den Himmel #BloggerFuerFluechtlinge



Wie ist das mit der Hölle – besteht sie aus einem großen Feuer, in dem man brennen muss, große körperliche Qualen erträgt und lauter kleine rote Teufel um einen herumhüpfen? Und ist sie für alle gleich?
Diesen Fragen geht der Philosoph und Schriftstellers Jean-Paul Sartre (1905-1980, Paris, Frankreich) in seinem 1944 uraufgeführten Theaterstück Geschlossene Gesellschaft nach.
Drei Menschen, die sich im Leben nie begegnet sind – der Journalist Garcin, die Postangestellte Inés und die wohlhabende Estelle – sind zusammen in einem Zimmer eingeschlossen und realisieren langsam aber sicher, dass sie da auch nicht mehr herauskommen, so z.B. Inés:

Es gibt keine körperliche Folter, nicht wahr? Und doch sind wir in der Hölle. Und niemand darf kommen. Niemand. Wir werden bis zum Ende allein zusammensein.

Am Anfang akzeptieren sie das, aber mit zunehmender Aufenthaltsdauer wird es für alle immer unangenehmer. Es kommt heraus, dass alle drei in der Hölle sind, weil sie in ihrem Leben andere Menschen gequält haben, und die Konfrontation mit dieser Wahrheit schmerzt. Teilweise so sehr, dass Garcin versucht, die Türe aufzubekommen und das Zimmer zu verlassen:

Aufmachen! Aufmachen! Ich nehme alles hin: Beinschrauben, Zangen, flüssiges Blei, Halseisen, alles, was brennt, alles, was quält, ich will richtig leiden. Lieber hundert Stiche, lieber Peitsche, Vitriol als dieses abstrakte Leiden, dieses Schattenleiden, das einen streift, das einen streichelt und das niemals richtig weh tut.

Doch dann setzt sich die Erkenntnis durch, dass es so ist und so bleiben wird: Dass sie eingeschlossen sind mit den anderen beiden und einander für alle Ewigkeit ertragen müssen. So sagt zum Schluss Garcin:

Ha! Ihr seid nur zwei? Ich dachte, ihr wäret mehr. Er lacht. Also das ist die Hölle. Ich hätte es nie geglaubt … Wisst ihr noch: Schwefel, Scheiterhaufen, Rost … Was für Albernheiten. Ein Rost ist gar nicht nötig, die Hölle, das sind die anderen.

Die Hölle, das sind die anderen.
Oder wir in unserer Auseinandersetzung mit uns selbst und den anderen.
Und jeder hat dabei seine eigene Hölle.

Doch im Hier und Jetzt sind wir nicht gezwungen, in dieser Hölle zu bleiben.
Wir haben die Freiheit, einzelne Dinge zu verändern oder auch ganze Lebenskontexte zu verlassen. Und wir haben die Freiheit zu entscheiden, ob wir selbst Himmel oder Hölle sind, für andere und auch für uns selbst.

Viele Flüchtlinge, die zu uns kommen, sind durch die Hölle gegangen. Sie haben Furchtbares erlebt, haben dann entschieden, diesem Zustand zu entfliehen und aufzubrechen in eine hoffentlich bessere Zukunft. Für manche war die Flucht eine weitere Hölle.
Jetzt ist es an uns zu entscheiden, was wir für sie sein wollen – Himmel oder Hölle?

Besonders deutlich zeigt diesen Unterschied ein Kinderbild, das in den letzten Tagen um die Welt ging: Es ist das Bild eines syrischen Flüchtlingskindes für die Bundespolizei, das deutlich den Unterschied zwischen der erlebten Hölle und dem danach wahrgenommenen Himmel zeigt.



Treasure Islands of the Bookshelf (5): About hell – and heaven #BloggerFuerFluechtlinge



What about hell – is it a big fire in which you have to burn, suffer great physical torments and many red devilkin gambol around you? And is it the same thing for everybody?
The philosopher and author Jean-Paul Sartre (1905-1980, Paris, France) considered this question in his 1944 premiered play No Exit.
Three people who never met in life – the journalist Garcin, the postal employee Inés and the wealthy Estelle – are trapped together in a room an realise slow but steady that they won’t come out of it. So for example Inés:

There is no physical torment, is it? Yet still we are in hell. And nobody may come. Nobody. We will be alone together to the end.

At the beginning they accept it, but with increasing length of stay it gets more and more inconvenient. It turns out that all the three are in hell because they tortured other people during their lifetime, and the confrontation with that truth hurts. Partly so much that Garcin tries to get the door open and to leave the room:

Open! Open! I tolerate everything: Screws fort he legs, forceps, fluid plumb, jougs, everything that burns, everything that tortures, I really want to suffer. Rather hundred stitches, rather bullwhip, vitriol than this abstract suffering, this shadow suffering that touches you, that strokes you and never really hurts.

But then the insight becomes prevalent that it is and will stay like that: That they are trapped with the two other ones and that they have to bear with each other for all eternity. So finally Garcin says:

Oh! You are only two? I thought you’d be more. He laughs. So this is hell. I never had believed it … Do you still remember: brimstone, stake, grate … What inanities. There is no need for a grate, hell is other people.

Hell is other people.
Or we ourselves in our controversies with ourselves and others.
And thereby everybody has a hell on his own.

But in the here and now we are not forced to stay in this hell.
We have the freedom to change single things, or even to leave complete living contexts. And we have the freedom to decide to be heaven or hell on our own, for others and even for ourselves.

Many refugees who come to us have gone through hell. They witnessed terrible things, decided then to escape from this condition and to set out for a hopefully better future. For some of them the getaway was another hell.
Now it is our turn to decide what we want to be for them – heaven or hell?

Explicitly this difference is shown by a picture of a child that went around the world during the last days: It is the picture of a Syrian refugee child for the German federal police which shows clearly the experienced hell and the afterwards perceived heaven.



Sonntag, 20. September 2015

Schatzinseln des Bücherregals (4): Über das Festhalten und das Loslassen #BloggerFuerFluechtlinge



Letzte Woche haben wir uns mit einem Gescheiterten beschäftigt. Heute geht es um eine Frau, der etwas gelang, weil sie eine gefährliche Entscheidung getroffen hatte.

Die chinesische Journalistin und Schriftstellerin Xue Xinran (geboren 1958 in Peking, China) erzählt in Verborgene Stimmen von den Schicksalen chinesischer Frauen. Kurz bevor ihr erstes Manuskript veröffentlicht wurde, kam sie in eine bedrohliche Situation:

Ich war am 3. November um 9 Uhr auf meinem Heimweg von einer Abendklasse, die ich an der Schule für Orientalische und Afrikanische Studien der Londoner Universität unterrichtet hatte. Als ich aus der U-Bahn-Station Stanford Brook in die dunkle Herbstnacht hinausging, hörte ich hinter mir ein Geräusch. Ich hatte keine Zeit um zu reagieren, bevor mich jemand heftig gegen den Kopf schlug und mich zu Boden stieß. Instinktiv hielt ich meine Handtasche enger fest, die das einzige Exemplar dieses Buches enthielt, das ich gerade fertig geschrieben hatte. Aber mein Angreifer ließ sich nicht beirren.
„Gib mir deine Tasche“, schrie er immer wieder.
Ich kämpfte mit einer Stärke, von der ich gar nicht wusste, dass ich sie besaß. In der Dunkelheit konnte ich kein Gesicht erkennen. Ich nahm nur wahr, dass ich mit einem Paar starker unsichtbarer Hände rang. Ich versuchte mich selbst zu schützen und zur gleichen Zeit dorthin zu treten, wo ich seine Leistengegend vermutete. Er trat zurück und ich spürte stechende Schmerzexplosionen in meinem Rücken und in den Beinen, und ich hatte den salzigen Geschmack von Blut in meinem Mund.
Passanten begannen rufend in unsere Richtung zu laufen. Schnell war der Mann von einer wütenden Menge umringt. Als ich auf meine Füße taumelte sah ich, dass er über einen Meter achtzig groß war.
Später fragte mich die Polizei, weshalb ich mein Leben riskiert hatte, indem ich um die Tasche kämpfte.
Zitternd und unter Schmerzen erklärte ich: „Ich hatte mein Buch darin.“
„Ein Buch?“ rief ein Polizist aus. „Ist ein Buch mehr wert als ihr Leben?“
Natürlich ist das Leben wichtiger als ein Buch. Aber in so vieler Hinsicht war mein Buch mein Leben. Es war mein Zeugnis für die Leben der chinesischen Frauen, das Resultat vieler Jahre Arbeit als Journalistin. Ich wusste, dass ich leichtsinnig gewesen war: Wenn ich das Manuskript verloren hätte, hätte ich es noch einmal schreiben können. Dennoch war ich mir nicht sicher, ob ich noch einmal die extremen Gefühle durchstehen könnte, die das erneute Schreiben dieses Buches provozieren würde. Es war schmerzvoll gewesen, die Geschichten der Frauen, die ich getroffen hatte, nachzuvollziehen, und es war noch härter, meine Erinnerungen zu sortieren und die richtige Sprache zu finden um sie auszudrücken. Während ich für diese Tasche gekämpft hatte, hatte ich meine Gefühlte verteidigt und die Gefühle der chinesischen Frauen. Das Buch war das Resultat so vieler Dinge, die, einmal verloren, niemals wieder gefunden werden könnten. Wenn man in seine Erinnerungen siehst, öffnet man eine Türe in die Vergangenheit; die Straße dorthin hat viele Abzweigungen, und der Weg ist jedes Mal ein anderer.

Xinran rettete die Geschichten vieler chinesischer Frauen und riskierte dafür ihr Leben – wäre die Menge nicht eingeschritten, hätte sie es dabei durchaus verlieren können.
Die Flüchtlinge, die uns in diesen Tagen erreichen, haben entschieden, was ihnen so wichtig ist, dass sie ihr Leben dafür riskieren, um es zu riskieren – oder sie haben gesehen, was sie oder ihre Nachbarn alles verloren haben.
Was wäre uns so viel wert, dass wir dafür unser Leben riskieren würden?

Wer bei den vielen Nachrichten und Facebook-Posts über Flüchtlinge und den Syrien-Konflikt nicht mehr weiß, wo bei dieser Geschichte vorne und hinten ist, dem sei dieses Video empfohlen. 

Radiosendungen speziell für Flüchtlinge gibt es hier (auf Deutsch, Englisch und Arabisch). 

Wer gegen eine Verschärfung des Asylrechts unterschreiben will, kann das hier tun.

Und auf http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de/ findet ihr viele weitere Links zum Thema Geld bzw. Sachen spenden, vor Ort helfen oder zum Teilen der Botschaft.



Treasure Islands of the Bookshelf (4): About Holding On and Letting Go #BloggerFuerFluechtlinge



Last week we dealt with a failed one. Today, it is about a woman who succeeded because she took a harmful decision.

The Chinese journalist and author Xue Xinran (born 1958 in Beijing, China) tells us in The Good Women of China – Hidden Voices of the destinies of Chinese women. Short before her first manuscript was published she came into a perilous situation:

At nine o’clock on 3 November 1999, I was on my way home from teaching an evening class at London University’s School of Oriental and African Studies. As I walked out of Stanford Brook tube station into the dark autumnal night, I heard a rushing sound behind me. I had no time to react before someone hit me hard on the head and pushed me to the ground. Instinctively, I tightened my grip on my handbag, which contained the only copy of a manuscript I had just finished writing. But my assailant wasn’t deterred.
‘Give me your bag,’ he shouted again and again.
I struggled with a strength I had not known I possessed. In the darkness, I could not see a face. I was aware only that I was fighting a pair of strong yet invisible hands. I tried to protect myself and, at the same time, kick with my feet at where I thought his groin might be. He kicked back and I felt sharp bursts of pain in my back and legs, and the salty taste of blood in my mouth.
Passers-by started running towards us, shouting. Soon the man was surrounded by an angry crowd. When I staggered to my feet, I saw that he was over six feet tall.
Later, the police asked me why I had risked my life fighting for a bag.
Trembling and in pain, I explained, ‘It had my book in it.’
‘A book?’ a policeman exclaimed. ‘Is a book more important than your life?’
Of course, life is more important than a book. But in so many ways my book was my life. It was my testimony to the lives of Chinese women, the result of many years’ work as a journalist. I knew I had been foolish: if I had lost the manuscript, I could have tried to recreate it. However, I wasn’t sure that I could put myself through the extremes of feeling provoked by writing the book again. Reliving the stories of the women I had met had been painful, and it had been harder still to order my memories and find language adequate to express them. In fighting for that bag, I was defending my feelings, and the feelings of Chinese women. The book was the result of so many things which, once lost, could never be found again. When you walk into your memories, you are opening a door to the past; the road within has many branches, and the route is different every time.

Xinran saved the stories of many Chinese Women and risked her life for it – if the crowd hadn’t intervened, she could have lost it definitely thereby.
The refugees who reach us during these days decided what is so important for them to risk their life for it – or they have seen what they or their neighbours have lost.
What would be so important for us that we would risk our own life?

Who with so many news and facebook-posts about refugees and the Syria crisis gets disorientated, to those I recommend this video

Radio programmes especially for refugees you can get here (in German, English and Arab).

http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de/ is a German initiative to join information about donating money or things, about helping in the local area and about sharing our message through other bloggers and podcasters.



Sonntag, 13. September 2015

Schatzinseln des Bücherregals (3): Über die Feiglinge, die Tapferen und die größte Gabe von allen #BloggerFuerFluechtlinge



Auch heute soll es wieder um einen Gescheiterten gehen und wie er sein Scheitern bewältigt – oder zumindest so, wie der Autor diese Geschichte sieht.
In Der Fünfte Berg erzählt Paulo Coelho (geboren 1947 in Rio de Janeiro, Brasilien) seine Version der Geschichte des alttestamentlichen Propheten Elia: Elia hat Tod und Verfolgung gesehen, hat gesehen, dass er überlebte – als Einziger.
Er hat sich dabei auseinander gesetzt mit der Frage, wie er mit seinen göttlichen Visionen umgehen soll, wer Gott ist, ob er gut oder böse ist oder welche Rolle er im Leben der Menschen spielt.
Und im Endeffekt muss er sich auch damit auseinandersetzen, ob er wieder sein Leben riskieren und dem göttlichen Auftrag folgen soll oder ob er lieber ein sicheres Leben führt – sicher aber mit dem Gefühl versagt zu haben. Vor langer Zeit war er vor Verfolgung geflohen, hatte Grausames gesehen und war froh gewesen, mit dem Leben davongekommen zu sein. Er floh in eine andere Stadt und richtete sich dort ein, doch die Gedanken an das Erlebte ließen ihn nicht los.

Elia schreckte aus seinem Traum auf und blickte hoch zum Firmament. Das war die Geschichte, die ihm nicht eingefallen war!
Vor langer Zeit hatte der Patriarch Jakob seine Zelte aufgeschlagen, und jemand war in sein Zelt gekommen und hatte mit ihm bis zur Morgenröte gekämpft. Jakob hatte den Kampf aufgenommen, obwohl er wusste, dass sein Gegner der Herr war. Als es Tag wurde, war er immer noch unbesiegt. Und da hatte Gott ihn gesegnet.
Sie wurde von Generation zu Generation weitergegeben, damit niemand vergaß: Manchmal ist es notwendig, mit Gott zu kämpfen. Alle Menschen mussten irgendwann in ihrem Leben ein Unglück durchmachen. Es konnte die Zerstörung einer Stadt sein, der Tod eines Kindes, eine unbegründete Anklage, eine Krankheit, die sie für immer zu Invaliden machte. In diesem Augenblick forderte sie Gott heraus, sich ihm zu stellen und ihm seine Frage zu beantworten: „Warum klammerst du dich so sehr an ein kurzes Leben voller Leiden? Welchen Sinn hat dein Kampf?“
Der Mensch, der darauf keine Antwort hatte, schickte sich dann darein. Während der andere, der für sein Leben einen Sinn suchte, sein eigenes Schicksal herausforderte, weil er fand, dass Gott ungerecht gewesen war. Das war der Augenblick, in dem ein anderes Feuer vom Himmel herabkam – nicht jenes, das tötet, sondern jenes, das die alten Mauern einreißt und jedem Menschen seine wahren Möglichkeiten gibt. Die Feiglinge lassen niemals zu, dass ihr Herz von diesem Feuer entflammt wird. Sie wollen nur, dass alles wieder so wird wie vorher, damit sie so leben und denken können, wie sie es gewohnt waren. Die Tapferen jedoch werfen alles, was alt war, ins Feuer und geben, wenn auch unter Schmerzen, alles auf, sogar Gott, und schreiten voran.
„Die Tapferen sind immer starrsinnig.“
Vom Himmel lächelte der Herr zufrieden – weil es genau dies war, was Er wollte, nämlich dass jeder die Verantwortung für sein Leben in die eigenen Hände nahm. Schließlich war dies ja die größte Gabe, die er Seinen Kindern gegeben hatte: Die Fähigkeit, selbst zu wählen und zu bestimmen.
Nur Männer und Frauen mit der heiligen Flamme im Herzen hatten den Mut, sich Ihm zu stellen. Und nur sie kannten den Weg, der zurück zu Seiner Liebe führte, weil sie am Ende begriffen hatte, dass Unglück keine Strafe, sondern eine Herausforderung war.

Die Feiglinge und die Tapferen?
Die Feiglinge wollen sich in die altbekannte Sicherheit zurückziehen und Veränderung nicht zulassen, denn Veränderungen machen Angst und werden deshalb besser vermieden.
Die Tapferen sehen den Veränderungen ins Gesicht, sehen das sich ändernde Leben als Herausforderung, denn sie betrachten Herausforderungen als Anlass zum Reifen und nicht als Untergang.
Die größte Gabe von allen ist hierbei, selbst wählen und bestimmen können, sich nicht einem Schicksal verpflichtet sehen zu müssen, und die Erkenntnis von Gut und Böse bzw. des rechten und des falschen Weges jeden Tag wieder neu umsetzen zu können.
Dabei ist der Unterschied zwischen feige und tapfer ist nicht immer leicht zu treffen, de facto bewegen wir uns wohl zwischen diesen beiden Polen. Verharren ist nicht immer schlecht, und weitergehen ist nicht immer gut. Aber es erfordert Weisheit, beides voneinander zu trennen und in der rechten Situation den rechten Entschluss zu treffen. Dem rechten Entschluss des Tapferen geht das Ringen mit Gott darum voraus, was richtig und was falsch ist, und das Durchdringen der Gründe für den Entschluss. Warum entscheide ich mich so? Erkenntnisleitendes Interesse ist hierbei die Frage: Ist diese Entscheidung lebensfördernd? Oder hält sie mich in Erstarrung, in Leblosigkeit, und hindert meine Weiterentwicklung?

Wir entscheiden uns immer wieder.

Paulho Coelho hat sich entschieden, die Geschichte von Elia so und nicht anders zu erzählen.

Die vielen Flüchtlinge, die derzeit auch zu uns kommen, haben sich entschieden, nicht zu warten, bis sie der Tod ereilt oder die Grausamkeiten des Alltags sie auffressen, sondern ihre Heimat, ihren Lebenskontext, ihre vormalige Sicherheit, ihr soziales Netz zu verlassen und ihr Glück anderswo zu suchen.

Auch dieser Blog war eine Entscheidung, und er ist es mit jedem neuen Artikel wieder.
Es ist die Entscheidung, das aufzugreifen, was in der Luft liegt, Fäden zu verweben, Eigenes zu teilen, ein Stück weit zu begleiten, Gedanken und Entwicklungen anzuregen.

Immer wieder neu, manchmal wie ein Stern in dunkler Nacht, manchmal wie ein neuer Morgen, manchmal wie ein kleines Licht neben Euren Lichtern. Und hoffentlich auch wie die heilige Flamme im Herzen, die zu Gottes Liebe zurückführt.

Mögen Euch meine Artikel durch die ein oder andere dunkle Nacht bringen.




Reinhard Mey: Ich bring dich durch die Nacht

Die Schatten werden länger
Der graue grame Grillenfänger streicht um das Haus
Der Tag ist aus.

Die Ängste kommen näher
Sie stell’n sich größer, krall’n sich zäher in der Seele fest
In deinem Traumgeäst.

Manchmal ist es bis zum anderen Ufer der Nacht
Wie ein lichtloser Tunnel, ein nichtendenwollender Schacht.

Ich bring dich durch die Nacht, ich bring dich durch die raue See.
Ich bring dich durch die Nacht, ich bringe dich von Luv nach Lee.
Ich bin dein Lotse, ich bin dein Mann,
Bin deine Schwester, komm und lehn dich an,
Ich bin der Freund, der mit dir wacht,
Ich bring dich durch die Nacht.

Vieles erscheint dir schwerer,
Bedrohlicher und hoffnungsleerer mit der Dunkelheit
Kommen aus dunkler Zeit.

Ferne Erinnerungen
Die Nacht wispert mit tausend Zungen, sie sind alle aus
Du bist allein zu Haus.

Mit deiner stummen Verzweiflung und dem Knistern im Parkett
Und als einzigem Trost das warme Licht des Radios an deinem Bett.

Ich bring dich durch die Nacht …

Lass los, versuch zu schlafen
Ich bring dich sicher in den Hafen, dir kann nichts gescheh’n,
Wolfsmann und böse Feen

Sind nur ein Blätterreigen
Vorm Fenster der Wind in den Zweigen im Kastanienbaum,
Ein böser Traum.

Der’s nicht wagt wiederzukommen bis der neue Tag beginnt
Lass los, ich halte dich fest, ich kenn den Weg aus dem Labyrinth.

Ich bring dich durch die Nacht …


Treasure Islands of the Bookshelf (3): About the cowards, the brave ones and the greatest gift of all #BloggerFuerFluechtlinge



Even today the story is about a failed one and how he copes with his failure – or at least how the author sees that story.
In The Fifth Mountain, Paulo Coelho (born 1947 in Rio de Janeiro, Brazil) tells his version of the story of the Old Testament prophet Elijah: Elijah saw death and persecution, saw that he survived – as the only one.
He had to quarrel with the question how to deal with his divine visions, who God is, if he is good or bad or what role he plays in the life of men.
And at the end of the day he had even to ask himself if he should again risk his life and follow the divine mission, or if he preferred to lead a life in security – bur for sure with the feeling of having failed. A long time ago he fled of persecution, he saw cruelties and had been glad to having saved his life. He fled into another town and got there along, but couldn’t let go the thoughts about what he experienced.

Elijah started up from his dream and raised his eyes to the firmament. That was the story that hadn’t come to his mind any more!
Ages ago the patriarch Jacob pitched his tents, and somebody had come into his tent and had fought with him till the first light of the day. Jacob has gone into combat even though he knew that his opponent was the Lord. At daybreak he was still undefeated. And then God had blessed him.
It has been passed from generation to generation thereby nobody forgets: Sometimes it is required to fight with God. Everybody has sometime in life to deal with a disaster. That could be the devastation of a town, the death of a child, an arbitrary accusation, a disease that made one forever an invalid. In that very moment it challenges God to face him and to answer his questions: “Why do you hold so fast onto a short life full of pain? Which sense has your struggle?”
The man who has no answers for it reconciled himself to it. But the other one who sought a meaning for his life challenged his fate because he found that he got a raw deal by God. That was the moment when another fire came down from heaven – not that one that slays, but that one that breaks down old walls and gives everybody his true options. The cowards never let their heart be enlightened by this fire. They only want everything to become as it was before, so they can live and think as they have been used to it. But the brave ones throw everything what has been old into the fire and give up everything, even if at pains, even God, and proceed.
“The brave ones are always stubborn.”
From heaven the Lord smiled gladly – because that was exactly was He wanted, namely that everybody took the responsibility for his life in his own hands. Eventually that was the greatest gift that he has given His children: The ability to choose and decide on their own.
Only men and women with the holy flame in the heart had the courage to face Him. And only they knew the way that led back to His love, because they finally understood that disaster wasn’t a penalty but a challenge.

The cowards and the brave ones?
The cowards want to back down to the well-known security and not to admit changes, because changes are scaring and because of that they are better avoided.
The brave ones face the changes, see the changing life as a challenge, because they see challenges as occasions for maturing and not as a nemesis.
At this, the greatest gift of all is to be able to choose and decide on your own, not to see oneself obliged to a fate, and to implement the awareness of good and evil resp. the right and the false way every day anew.
Thereby the distinction between coward and brave is not always easy to make, de facto we seem to switch between these two poles. Persistence is not always bad, and proceeding is not always good. But it requires wisdom to distinct one from the other and to make in the right situation the right decision. The right decision of the brave one precedes the struggle with God about what is right and what wrong, and to soak through the causes for the decision. Why do I decide like that?
Thereby the leading question is: Is this decision life-promoting? Or keeps it myself in stiffness, in lifelessness and inhibits my further development?

We decide again and again.

Paulho Coelho decided to tell the story of Elijah just so.

The many refugees they reach us currently decided not to wait till death befalls them or the everyday cruelties eat them up, but to leave their home, their living context, their former security, they social network and to seek greener pastures.

Even this blog was a decision, and it is it with every new article again.
It is the decision to take up what is in the air, to interweave threads, to share something of my own one, to accompany to a certain extent, to encourage thoughts and developments.

Again and again, sometimes like a star in the dead of night, sometimes like a new morning, sometimes like a small light beneath your lights. And hopefully like the holy flame inside the heart that leads back to God’s love, too.

May my articles bring you through the one or other night.




Reinhard May: Ich bring dich durch die Nacht

The shadows become longer
The grey sad cricket catcher wafts around the house
The day has gone.

The anxieties come nearer
They big up, cling to the soul
In your boughs of dreams.

Sometimes is it to the other shore of the night
Like a tunnel without light, a never-ending duct.

I take you through the night, I take you through the rough sea.
I take you through the night, I take you from luff to lee.
I am your pilot, I am your man,
Am your sister, come and lean against,
I am the friend that keeps vigil with you,
I take you through the night.

Many seems to be harder to you,
More threatening and hopeless with the darkness
Come of darker time.

Distant memories
The night whispers with thousand tongues, they are all over
You are alone at home.

With your mute despair and the crackling in the parquet
And as only consolation the warm light of the radio at your bed.

I take you through the night …

Let go, try to sleep
I take you safe to the harbour, nothing can happen to you
Wolf man and evil fairies

Are only roundels of foliage
In front of the window the wind in the twigs of the chestnut tree
An evil dream.

That not dares to come back till the new day begins
Let go, I hold you, I know the way out of the labyrinth.

I take you through the night …